Berlin : Stau-Chaos: Bitte den Osten weiträumig umfahren

Unfälle, eine kaputte Ampel, ein demolierter Brückenpfeiler – drei blockierte Hauptstraßen legten gestern den Verkehr stundenlang lahm

Jörn Hasselmann

„Bitte den Bereich weiträumig umfahren“ – diese tausendfach im Verkehrsfunk gehörte Formulierung galt gestern im Prinzip für den ganzen Osten der Stadt – nur Geduld half durch die langen Staus hindurch. Zwei Unfälle mit stundenlangen Sperrungen von wichtigen Hauptstraßen stoppten den Verkehr teilweise total. Schon in der Nacht war ein Volvo in Köpenick gegen einen Pfeiler der S-Bahnbrücke über der Bahnhofstraße geprallt. Wegen Einsturzgefahr wurde die wichtigste Zufahrt in die Köpenicker Altstadt aus Richtung Norden für zehn Stunden total gesperrt. Mehrere Bus- und Straßenbahnlinien wurden unterbrochen. Da auch das S-Bahn-Gleis Richtung Innenstadt blockiert war, konnte die S-Bahn nur einen eingleisigen Pendelverkehr anbieten. Gegen 9 Uhr überschlug sich ein Auto auf der B 1 stadteinwärts. Die wichtigste Einfallstraße war bis mittags zwischen Märkische Allee und Am Tierpark gesperrt. Ein morgendlicher Ampelausfall an der Landsberger Allee Ecke Rhinstraße tat ein Übriges, Autofahren zur Qual werden zu lassen. Die Polizei leitete den starken morgendlichen Berufsverkehr schon weit im Vorfeld um.

Begonnen hatte der Chaos-Tag mit einem kleinen, folgenschweren Fehler eines 39-Jährigen. Der Volvofahrer, der unverletzt blieb, war nachts um eins mit seinem Fahrzeug vermutlich aus Unachtsamkeit gegen den vordersten Pfeiler der S-Bahn-Brücke über die Bahnhofstraße geprallt. Da die Stütze aus der Brücke herausgerissen war, stand die Diagnose schnell fest: Einsturzgefahr. Damit war die Altstadt aus Norden nur noch über kleine Wohnstraßen zu erreichen; eine Vielzahl von Polizisten versuchte die Autoschlange zu bändigen. Aussteigen mussten tausende Fahrgäste aus Bussen und Trams in der Bahnhofstraße. Umsteigen in die S-Bahn half nicht, da diese auf dem einen Gleis nur alle 20 Minuten pendeln konnte. Egal mit welchem Verkehrsmittel: Alle kamen zu spät.

Bereits früh wurde im Verkehrsfunk die Umleitungsstrecke nach Köpenick über Am Bahndamm, Hämmerling- und Seelenbinderstraße genannt. Ortskundige zogen es jedoch vor, einen noch weiteren Umweg zu fahren. Verschärft wurde die Situation, da die Köpenicker Straße vor dem S-Bahnhof Wuhlheide derzeit für mehrere Monate Richtung Waldowallee gesperrt ist.

Entgegen ersten Befürchtungen gelang es am Nachmittag, nach Einbau einer Ersatzstütze den schiefen Brückenpfeiler aufzurichten. Um 14.30 Uhr wurde die Bahnhofstraße freigegeben. Vorangegangen war ein Belastungsstest mit einer leeren S-Bahn. Wie es bei der Bahn hieß, müsse jetzt geklärt werden, ob die 101 Jahre alte Brücke grundlegend saniert werden muss – was wieder zu Beeinträchtigungen führen würde. Dieser Volvo war übrigens nicht der erste: Am 7. Oktober 1995 fuhr schon ein Volvo denselben Pfeiler um – mit den gleichen Stau-Folgen. Eine Umfahrung für die Köpenicker Altstadt gibt es nicht – noch nicht. Die so genannte Tangentiale Verbindung Ost soll 2007 von der Straße An der Wuhlheide weitergeführt werden bis Bahnhof Köpenick. Das erste Stück war 2002 eröffnet worden zwischen Wuhlheide und Oberspreestraße.

Am Nachmittag waren die Autofahrer im Westen dran. Zur ungünstigsten Zeit, ab 16 Uhr, wurde auf der Autobahn Richtung Hamburg im Beyschlagtunnel die rechte Spur gesperrt. Ein Loch im Asphalt musste geflickt werden.

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