Berlin : Staudämme!

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Von David Ensikat

Lokalpatriotismus ist in dieser Stadt ja was recht Kompliziertes. Berliner darf sich nennen, wer will. Ob es nun ein Schwabe ist, der sich in dreißig Jahren Kreuzberg das Schwäbeln nicht abgewöhnt hat, ein Amerikaner, der mal kurz auf dem Balkon des Schöneberger Rathauses vorbeiguckt, oder ein Pfannkuchen, der irgendwo verkauft wird, Hauptsache nicht in Berlin – alles Berliner. Dann das Haushaltsloch, Yan Yans Pandalibido, die „Society“: Welcher ahnungsvolle Berliner kann sich überhaupt stolz Berliner nennen?

Halt! Die Bewag, die ist total dufte. Die Berliner Strommacher! Die haben sich dem Wettbewerb ausgesetzt, haben sich mit vielen anderen Strommachern aus ganz Europa um die Stromversorgung der öffentlichen Gebäude der Stadt beworben – und dürfen jetzt, nachdem ganz fair und ehrlich verglichen wurde, die Berliner öffentlichen Gebäude weiter mit Strom versorgen. Ist ja klar, die können’s billiger, die brauchen nicht so lange Kabel, wird da mancher unken. Blödsinn! Die Bewag holt ihren ökologischsten Strom aus der Schweiz. Das ist wirklich Superstrom. Aus Wasserkraft. Da dampft und strahlt und heizt nichts, da fließt’s nur so.

Aus lokalpatriotischer Sicht wäre es natürlich noch viel toller, wenn auch der Wasserstrom direkt in unserer schönen Stadt hergestellt würde. Man müsste nur hier und da eine kleine Staustufe errichten. Das ergäbe natürlich ein paar Überschwemmungen, die brächten aber irrsinnig viel Spendengeld in die klamme (!) Haushaltskasse, das ein oder andere SocietyRestaurant würde weggespült, und im Zoo gäbe es nur noch Fische ohne Fortpflanzungsproblem.

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