Staudenmarkt : Das Festival der Gartenfreunde

Tausende suchen Raritäten auf dem Staudenmarkt. Mehr als hundert Gärtnereien aus ganz Deutschland und europäischen Nachbarländern kommen hierher.

von
Dufte. Auch heute blüht den Besuchern was beim Staudenmarkt. Foto: Thilo Rückeis
Dufte. Auch heute blüht den Besuchern was beim Staudenmarkt.Foto: Thilo Rückeis

Wenn tausende Berliner mit großen leeren Einkaufstaschen und Plastiktüten in den Botanischen Garten strömen und ein paar Stunden später Beutel voller Rosen, Phloxe, Kuhschellen und anderer Stauden nach Hause schleppen, dann ist’s Frühling. Gestern war es wieder so weit. Die Sonne schien, Scharen von Hobbygärtnern drängelten sich in Dahlem vor den Eingängen Unter den Eichen und am Königin-Luise-Platz, als hätten sie auf diesen Tag ungeduldig gewartet, um danach im eigenen Garten so richtig loszulegen. Der Staudenmarkt im Botanischen Garten hat Tradition. Mehr als hundert Gärtnereien aus ganz Deutschland und europäischen Nachbarländern kommen hierher. Sie bieten Raritäten an, die man ansonsten mühsam suchen muss.

„Nirgendwo bekommt man einen besseren Überblick über Trends im Garten“, sagen die Fans. Deshalb ist der Staudenmarkt für Berlins Pflanzenfreunde eine ähnlich wichtige Veranstaltung wie für Herthafans ein Heimspiel im Olympiastadion. Das trifft auch auf Hans Kosslick zu, Direktor der Berlinale-Filmfestspiele und Mann mit grünem Daumen. Weil er sich selbst als „Staudenfreund“ bezeichnet und regelmäßig den Staudenmarkt besucht, ist Kosslick in diesem Jahr dessen Schirmherr. Flott hat er gleich eine Brücke zwischen Natur und Kino geschlagen. Die Traumwelten und Ideale von Parks, Gärten und Filmen hätten eine Gemeinsamkeit. „Sie sind winterhart, beständig und unglaublich lebendig.“

Bärbel Henne (70) aus Lichterfelde freut sich über winterharten Schmuckfenchel und lachsfarbenen Flox. Eigentlich ist ihr Vorgarten „ja leider schon voll“. Aber ein bisschen Platz „für Neues, für Unbekanntes muss sein.“ Deshalb geht sie auf der einen Kilometer langen Marktstrecke vor den großen Palmenhäusern so gerne „auf Pflanzensafari.“ Dazwischen gibt’s Bio-Kaffee und Neuland-Bratwürstchen in improvisierten Gartenwirtschaften. „Einen ganzen Tag kann man hier gut verbringen“, schwärmt sie – und hat sich schon den nächsten Staudenmarkt im September fest vorgemerkt.

Auch Klaus-Peter Gloeden (68) aus Schöneiche ist Stammbesucher. Gerade hat er ein Adonisröschen erworben, jetzt hält er eine seltene „Basis Purple Rose“ in der Hand. „Wunderschön“, sagt der pensionierte Betriebswirt und streicht über ein purpurrotes Blütenblatt. Raritäten sind seine Leidenschaft.

Gleich neben der Rosengärtnerei aus Hamburg preist ein Züchter aus Österreich ein kalifornisches Dreiblatt an, rubinrot blühend. Weiter geht’s vorbei an Bio-Süßkartoffeln und ökologisch gezogenen Sumpfblumen zu den Kompost-Experten mit „Bio-Power-Wurmhumus“ – und dann zu Hans-Joachim Schäle. Der Gartenbauingenieur züchtet Marienkäfer gegen Läuse und verkauft winzige Fadenwürmer in Tütchen. Sie sollen gefräßige Käferlarven vernichten. Wie viele braucht man für eine Attacke? „20 Millionen sind in einer Tüte drin.“

Auch am heutigen Sonntag ist der Staudenmarkt von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 6 Euro, ermäßigt 3 Euro.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben