Berlin : Staus beim Staatsbesuch – mit Sicherheit

Drei Tage ist der israelische Präsident Katzav in der Stadt – da müssen Autofahrer schon mal Geduld haben

Jörn Hasselmann

In Sicherheitsfragen ist eben nichts sicher: Gerade, nachdem ein Polizeisprecher vor laufenden Fernsehkameras verkündet hatte, dass ab jetzt bis zum Nachmittag der Spandauer Damm aus Sicherheitsgründen rigoros gesperrt bleibe, wurde die Straße doch wieder freigegeben – eine Entscheidung im Sinne vieler Autofahrer, die im Stau standen. Zuvor war die wichtige Verbindung zur Autobahn eine knappe Stunde gesperrt, weil der israelischen Staatspräsidenten Mosche Katzav zum Charlottenburger Schloss unterwegs war. Nachdem Katzav, der zu den weltweit gefährdetsten Politikern gehört, sicher dort angekommen war, sei die Gefahr, die von fahrenden Autos ausgehe, gering, sagte Einsatzleiter Klaus Keese. Er hatte die Sperrung kurzfristig aufgehoben. Am Abend dagegen beklagten sich Autofahrer über Sperrungen und Staus in Mitte, als Katzav einen jüdischen Friedhof und den Martin-Gropius-Bau besuchte.

Die Budapester Straße und die Seitenstraßen am Hotel Interconti sind bis Mittwoch Mittag für jeglichen Verkehr gesperrt, auch für Fußgänger und Radfahrer. Im Interconti traf Katzav gestern gegen 14.30 Uhr zum ersten Mal ein, um mit Außenminister Fischer zu sprechen, abends sprach er dort mit Kanzlerkandidatin Angela Merkel. Das Gebiet um das Hotel – in dem vorteilhafterweise auch ein Krankenhaus liegt – gilt als „Rückzugsbereich“ für den Staatsgast mit der höchsten Gefährdungsstufe 1. Für den Fall eines kurzfristigen Abweichens vom Programm oder bei einer möglichen plötzlichen Erkrankung benötige man diesen Bereich kurzfristig.

Anders als am Schloss Charlottenburg, wo die Polizei auf schweres Gerät verzichtete, ist die Budapester Straße seit gestern früh mit Räumpanzern und eigens angefertigten Betonklötzen abgeriegelt – noch rigoroser und weiträumiger als bei vorangegangenen Besuchen israelischer oder amerikanischer Präsidenten.

Für empfindliche Gemüter war auch der Polizeieinsatz am Schloss Charlottenburg schon zu viel. Mehrere Elternpaare hatten ihre Kinder gestern nicht in die benachbarte Eosander-Schinkel-Schule geschickt, weil „dort zu viel Polizei“ sei, berichtete ein Vater, dessen Kinder in die Grundschule gehen.

Über 2000 Polizisten sichern den Staatsbesuch – sogar im Turm des Schlosses Charlottenburg hatten sich Präzisionsschützen mit Ferngläsern postiert. Ein ähnliches Bild am Interconti: Dort wohnen Katzav und seine Frau Gila in der Präsidentensuite 600, mit Blick auf den Tiergarten. Anlass des dreitägigen Staatsbesuches ist die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen beider Staaten vor 40 Jahren. An diesem Dienstag ist die aus etwa 100 Fahrzeugen und Motorrädern bestehende Kolonne mehrfach in der Stadt unterwegs. Nach seiner Rede im Reichstag ist Katzav ab 13.30 Uhr beim Gartenfest im Schloss Charlottenburg, um 20 Uhr besucht er die Philharmonie.

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