Berlin : Stefan Flatow ist tot: Ein Sprecher für Olympia

Lo

Sein Name ist untrennbar mit der Olympiastadt Berlin verbunden. Im Alter von 83 Jahren starb, wie erst jetzt bekannt wurde, am 30. März in Rotterdam Stefan Flatow, der Sohn von Gustav-Felix Flatow und Neffe von Alfred Flatow. Die beiden Cousins waren bei den Olympischen Spielen von 1896 Sieger im Turnen. Als die Nazis Deutschland regierten, emigrierte Stefan Flatows jüdische Familie nach Holland, tauchte dort unter, wurde verraten, verhaftet und ins KZ Theresienstadt deportiert, wo Gustav-Felix im Januar 1945 mit einem Gewicht von 22 Kilo starb. Seine Frau Margarete und sein Sohn Stefan überlebten. "60 Mitglieder der Flatow-Familie sind von den Nazis umgebracht worden", sagt Otto Eigen, der gemeinsam mit Gottfried Arend die "Initiative Flatowallee am Olympiastadion" gegründet hatte. "Die Umbenennung der ehemaligen Reichssportfeldstraße in Flatowallee am 21. Februar 1997 bleibt für alle Zukunft auch mit dem Namen Stefan Flatow verbunden", sagt Otto Eigen. Nach langem Zögern war Stefan Flatow im Februar 1993 in seine einstige Heimatstadt gekommen, um die Olympiabewerbung Berlins zu unterstützen. Dabei sollte die Olympische Flamme auf dem Weg nach Berlin das ehemalige KZ Theresienstadt passieren. "Für uns war der Gedanke unerträglich, dass der Fackellauf am Ende durch die von den Nazis so genannte Reichssportfeldstraße führen musste", sagt Otto Eigen, "deshalb nahmen wir den Kampf um die Erinnerung an die Flatows auf". Dem Argument, dass es zu teuer sei, neue Briefköpfe herzustellen, begegnete Stefan Flatow mit der Frage: "Was ist schon eine Änderung von Briefköpfen gegen die Drangsalierung und den Tod jener Menschen, deren Andenken hier geehrt werden soll?" Stefan Flatow kam zu Enthüllung des neuen Straßenschildes aus Rotterdam nach Berlin und dankte bewegt: "Es ist mir eine große Ehre, diesen Tag mitzuerleben".

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar