Berlin : Stefan Raabs falsche Sechziger

Am Freitag findet im Tempodrom der „Bundesvision Song Contest“ statt Beatplanet aus Berlin starten mit Sixties-Pop – allerdings für Brandenburg

Sebastian Leber

Beworben haben sie sich im August. Da war Berlin schon vergeben. Beatplanet wollten trotzdem dabei sein und schickten eine Probe-CD ein. Jetzt starten sie eben für Brandenburg.

Diesen Freitag veranstaltet Stefan Raab seinen dritten „Bundesvision Song Contest“. Die Regeln sind an den Eurovision Song Contest, ehemals Grand Prix, angelehnt. Nur dass bei Raab nicht Nationen, sondern deutsche Bundesländer ihre Bands ins Rennen schicken. Und weil die Vorjahressieger Seeed aus Berlin kommen, findet die Show diesmal im Tempodrom statt.

Dreieinhalb Minuten haben Beatplanet Zeit, sich in die Herzen der Pro-7-Zuschauer zu singen, die dann später per Anruf oder SMS abstimmen dürfen. Mit dem In-die-Herzen-singen kennen sich Beatplanet aus, schließlich sind die acht Berliner „eine Uno-Truppe der Musik“, behauptet zumindest Frontmann Sven Rathke. „Überall, wo wir auftreten, sorgen wir für Frieden und Wohlbehagen.“ Beatplanet machen Beatmusik im Stil der 60er Jahre. DDR-Beatmusik, um genau zu sein, denn im Westen wurde damals englischsprachig gesungen und gehört. Das weiß Sven Rathke natürlich nur aus Erzählungen, er ist ja erst 29. Bassist Martin Gottschild ist bloß ein Jahr älter, hat sich aber in den Sound der 60er verliebt: „Die waren so frech damals“. Sagt es und meint es nicht ernst – gerade über die Songtexte, die meistens von Liebe, Sehnsucht und sonstigem Herzschmerz handelten, muss Gottschild grinsen. „Komisch, dass spätestens in der letzten Strophe immer gleich übers Heiraten gesungen wurde.“ Besonders mögen sie die Platten von Manfred Krug, den wollten sie schon zu sich ins Studio einladen. Er lehnte ab, aber immerhin in einem höflichen Brief.

Ansonsten bekommen sie Zustimmung von allen Seiten. Beim Auftritt auf einem Punkkonzert wurde kürzlich nicht mal mit Bier nach ihnen geworfen, erzählen sie. Wenn das kein gutes Omen ist. Die Plattenfirma gibt sich dementsprechend optimistisch: Platz vier sei drin. „Oh Gott“, sagt Rathke, „ich bin nicht so fürs Hochstapeln.“ Auch sein Berliner Freundeskreis mache ihm nicht unbedingt Mut. „Manche wünschen mir Glück, sagen aber, dass sie für Mia anrufen werden.“ Die Popband um Sängerin Mieze – vor drei Jahren noch beim echten Grand Prix im Vorentscheid rausgeflogen – darf mit dem Lied „Zirkus“ für Berlin antreten. Beatplanet nehmen das hin und betonen ihre Brandenburger Wurzeln. Immerhin sind drei von acht Mitgliedern tatsächlich dort geboren, nämlich in Bernau, Luckau und Stolzenhagen. Damit ist ihr Start für Brandenburg plausibler als der von Klee vor zwei Jahren: Die Kölner traten damals für das Saarland an – mit der Begründung, eine Bekannte des Bassisten habe dort ein Praktikum gemacht.

Auf der Bühne tragen Beatplanet Retroanzüge und Krawatten. Rathke hat von seinem Onkel Wilfried „einmal einen Sack mit DDR-Klamotten bekommen, da zehren wir heute noch von“. Die beiden weiblichen Mitglieder haben natürlich Kleider an. Babsi und Uschi nennen sie sich, die echten Vornamen klangen nicht genug nach Sixties. Ihr Gesamtkunstwerk aus Musik, Optik und Liebestexten nennt Martin Gottschild eine „sinnfreie Zone, ohne dass es dämlich ist“. Das trifft es ganz gut.

Der Song Contest ist ausverkauft, Pro7 sendet live ab 20.15 Uhr. Der Tagesspiegel verlost drei Mal zwei Karten: Einfach heute bis 11 Uhr eine Mail mit Betreff „Raab“ an verlosung@tagesspiegel.de schicken. Bitte eine Telefonnummer angeben.

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