Steglitz : Immer wieder Ärger mit dem Bierpinsel

Nach einem Wasserschaden am Bierpinsel ist die Autobrücke gesperrt. Ende März soll das Steglitzer Wahrzeichen aber öffnen.

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Berlin - Die Joachim-Tiburtius-Brücke in Steglitz musste am Dienstag schon wieder gesperrt werden. Der Grund: Fassadenplatten des Bierpinsels wurden auf Schäden überprüft. Betroffen von der Sperrung war der kilometerlange Abschnitt zwischen Filandastraße und Schildhornstraße. Auch am Mittwoch wird mit Behinderungen gerechnet.

Der Bierpinsel hat in den vergangenen zwei Monaten immer wieder Verkehrsbeeinträchtigungen verursacht. Im Dezember musste ein Wasserschaden behoben, im Januar Eiszapfen entfernt werden. Nach dem Rohrbruch vom Donnerstag war die Wärmedämmung durchfeuchtet, es kam zu Wasseransammlungen. In Absprache mit dem Bezirksamt und der Bauaufsicht wurde deshalb ein Prüfingenieur beauftragt. Er soll nun untersuchen, ob sich der Wasserschaden auf die Statik des Gebäudes auswirkt. Die Ergebnisse stünden jedoch noch nicht fest, sagte Baustadtrat Uwe Stäglin. Nach Auskunft von Geschäftsführerin Larissa Laternser bestand für Passanten und Verkehr „keine direkte Gefahr“.

Laternser rechnet damit, dass die Renovierungsarbeiten am Bierpinsel trotz des Vorfalls pünktlich bis Ende März abgeschlossen sein werden. Dann soll der Bierpinsel mit einer Kunstaktion wiedereröffnen. Vier international renommierte Street-Art-Künstler wollen dem Steglitzer Wahrzeichen einen neuen Anstrich verpassen. Für erste Gebäudestudien waren sie im Dezember nach Berlin gekommen. Ein Jahr lang sollen ihre Motive das Objekt schmücken. Damit die Aktion keine Spuren an der Fassade zurücklässt, wird die Oberfläche vor dem Auftragen der Farbe mit einer Wachsschicht überzogen. Der erste Pinselstrich am 1. April soll mit einem Eröffnungsfest gefeiert werden. Erstmals seit 2002 soll der Bierpinsel dann wieder für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Laternser will eine Gastronomie- und eine Veranstaltungsebene eröffnen.

Ingenieur Waldemar Stühler, ehemaliger Professor an der TU, weist jedoch darauf hin, dass Partys im Bierpinsel Probleme verursachen könnten. Im Auftrag des Architektenpaares Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte, die einst das ICC entwarfen und nach dessen Entwürfen auch der Bierpinsel von 1972 bis 1976 erbaut wurde, hatte er ein Gutachten erstellt. Darin kam er zu dem Ergebnis, dass ein Diskothekenbetrieb in dem 46 Meter hohen Turm nicht möglich ist. Durch basslastige Musik und starke Bewegung besteht konstruktionsbedingt die Gefahr von spürbaren Resonanzen. Diese können die Besucher in Panik versetzen. Auf dieses Problem hat Stühler nach eigener Aussage Larissa Laternser in einem Schreiben im Oktober hingewiesen – sie habe jedoch nicht reagiert. Baustadtrat Uwe Stäglin ist von dem Gutachten nichts bekannt. Er verweist darauf, dass in der Vergangenheit Partys im Bierpinsel stattgefunden haben. Nana Heymann

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