Steglitz : Mit neuem Spaß am Lernen

Eine engagierte Schulleiterin möchte an der Paul-Braune-Förderschule in Steglitz das Projekt "Gesunde Schule" realisieren. Ziel soll es sein, das Thema gesunde Ernährung in den Alltag zu integrieren.

Anja Brandt

BerlinDa musste was passieren, war für Schulleiterin Marion Thiel-Blankenburg klar. Jeder dritte der 110 Schüler der Paul-Braune-Förderschule in Steglitz ist übergewichtig, adipös oder untergewichtig, jeder zehnte hat am Tag keine zusätzliche Bewegung. Nach einem Jahr Vorbereitung ist nun das Projekt „Gesunde Schule“ gestartet. Ziel ist es, das Thema gesunde Ernährung in den Alltag zu integrieren. Die Deutsche Angestellten-Krankenkasse (DAK) und das Zentrum für angewandte Gesundheitsförderung und Gesundheitswissenschaften (ZAGG) hatten es gemeinsam mit Lehrern, Schülern und Eltern entwickelt.

Zukünftig soll es in den Klassen Trinkstationen mit Wasser und Kochkurse geben. Das Angebot der Schulcafeteria soll um gesunde Mahlzeiten ergänzt werden. Jeden Dienstag spendiert die Berliner Tafel den Schülern ein Frühstück für 20 Cent. Der Supermarkt Biolüske steuert gelegentlich Nahrung zum Nulltarif bei. „Wir wollen außerdem tägliche Bewegungs- und Entspannungsübungen in den Unterricht einbauen“, sagt Rektorin Thiel-Blankenburg.

Auch an der psychosozialen Situation wollen Pädagogen und Eltern arbeiten. Dazu gehört beispielsweise eine bessere Motivation der Kinder und eine Verschönerungskur für das Schulgebäude. Elternvertreter Jochen Fest: „Unser Ziel ist es, dass unsere Kinder gerne zur Schule kommen. Nur dann lernen sie etwas, wodurch sich wiederum ihre Zukunftschancen erhöhen.“ Die Eltern haben bereits einen Förderverein gegründet, sind jedoch auch auf öffentliche Gelder angewiesen. Laut Fest kommen 70 Prozent der betroffenen Schüler „aus armen Familien“. Verändern will man auch die Situation der Lehrkräfte. „Hier geht es um die individuelle Gesundheit der Lehrer und Erzieher“, sagt Schulleiterin Thiel-Blankenburg. Geplant ist, die Pausen zu verlängern und das Lehrerzimmer attraktiver zu gestalten.

Die Finanzierung für das Projekt „Gesunde Schule“ übernimmt für zwei Jahre die DAK. „Diese Anschubfinanzierung soll Strukturen schaffen, mit denen die Schulen dann alleine weiterarbeiten können“, sagt Claudia Sommerschuh von der DAK-Landesgeschäftsstelle. Thomas Müller-Krull von der Senatsverwaltung begrüßt das Projekt: „Es müssen alle Bereiche in der Schule angepackt werden, angefangen bei der gezielten Gesundheitsförderung bis hin zu baulichen Veränderungen.“

Viele lobende Worte findet auch die grüne Schulstadträtin Anke Otto für das Engagement aller Beteiligten. „Die Paul-Braune-Schule ist ein Vorbild dafür, wie wir als Gesellschaft Verantwortung dafür übernehmen können, die Zukunftschancen benachteiligter Schüler zu fördern“, sagt Anke Otto. 

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