Steigende Pendlerzahlen : Berlin ist eine Anreise wert

Jeder sechste Arbeitnehmer in der Hauptstadt kommt schon aus Brandenburg. Mit Ausnahme von Bremen, Saarland und Rheinland-Pfalz herrscht ein reger, bundesweiter Austausch zwischen Wohn- und Arbeitsorten.

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Berlin ist zwar Hauptstadt, aber es macht sich immer noch bemerkbar, dass in Bonn viele Bundesbehörden sitzen. So pendelten im vergangenen Jahr 17 215 Berufstätige, die in Berlin wohnen, regelmäßig nach Nordrhein-Westfalen. Die Zahl der Berufspendler von NRW nach Berlin lag bei 10 848 Beschäftigten. Noch überraschender ist, dass 14 612 Arbeitnehmer mit Wohnsitz in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen in Berlin arbeiten und umgekehrt sogar 24 146 Berliner in die drei Südländer pendeln. Mit Ausnahme von Bremen, Saarland und Rheinland-Pfalz herrscht ein reger, bundesweiter Austausch zwischen Wohn- und Arbeitsorten.

Besonders eng ist die Verflechtung von Wohn- und Arbeitsort aber zwischen Berlin und dem brandenburgischen Nachbarn. 176 800 Brandenburger pendelten 2009 nach Berlin, während 68 240 Berliner zum Arbeiten nach Brandenburg fahren. Das heißt: Jeder sechste sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer in Berlin lebt in Brandenburg. Und jeder zehnte fest Beschäftigte in Brandenburg wohnt in Berlin. Für eine Metropolenregion ist das nichts besonderes. „In Frankfurt/Main oder anderen Ballungsräumen sind die Pendlerquoten höher“, sagte Ulrike Rockmann, Chefin des Amts für Statistik Berlin-Brandenburg bei der Vorstellung des neuen Jahrbuchs für die Region.

Dass Berlin mit vielen anderen Bundesländern, die Berufspendler betreffend, so eng verflochten ist, wundert aber auch Rockmann. Rechnet man Brandenburg heraus, pendelten 2009 fast 64 000 Arbeitnehmer aus deutschen Landen nach Berlin und 69 000 pendelten dorthin. Vielleicht ist Berlin für die einen als Wohnort so attraktiv, dass sie nicht wegen ihrer Arbeitsstelle in Wolfsburg, Stuttgart oder München umziehen wollen. Während die anderen gern in der Hauptstadt arbeiten, aber nicht in einer Millionenstadt leben möchten. Die nackten Zahlen erklären das nicht.

Es gibt noch andere Statistiken, die überraschen. So brauchen nur 20 Prozent der Brandenburger, die im eigenen Land wohnen und arbeiten, länger als eine halbe Stunde für den Arbeitsweg. Innerhalb Berlins sind es 40 Prozent. Im benachbarten Flächenland sind die Entfernungen zwischen Wohnung und Arbeitsstätte offenbar kürzer. Selbst 75 Prozent der Pendler aus Brandenburg nach Berlin benötigen höchstens eine Stunde. Umgekehrt kommen nur 60 Prozent der Pendler aus Berlin nach Brandenburg mit einer Stunde Wegezeit aus.

Nicht nur Berufstätige pendeln, sondern auch Schüler, Auszubildende und Studierende. Allerdings in überschaubarem Maße. In Richtung Brandenburg waren es 2009 insgesamt 15 100, davon 2300 Schüler, 3100 Berufsschüler und 9700 Studierende. In Richtung Berlin pendelten 21 700 junge Menschen, davon 6000 Schüler, 9400 Berufsschüler und 6300 Studierende.

Sehr dynamisch ist auch die Bevölkerungsentwicklung in Berlin und Brandenburg. Berlin verlor 2009 im Saldo 4900 Einwohner an das naheliegende Umland und gewann 3200 aus den übrigen Regionen Brandenburgs hinzu. Im Ergebnis profitierte Brandenburg von der Wanderungsbewegung. Besonders hohe Wanderungsverluste in Richtung Nachbarland erlitten die Berliner Randregionen. An vorderster Stelle stehen Frohnau, das Märkische Viertel und Altglienicke. Wanderungsgewinner sind Nord-Neukölln, Wedding, Tiergarten, Friedrichshain, Lichtenberg und Pankow. Aber auch eher relativ günstige Wohngebiete wie Schöneberg, Spandau und Marzahn profitierten (siehe Grafik). Aus den anderen Bundesländern kamen im vergangenen Jahr rund 8000 mehr Menschen nach Berlin als fortgezogen sind.

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