Steigende Schülerzahlen : Die Schulplätze in Berlin werden knapp

Die Schülerzahlen in Berlin sollen in den kommenden Jahren stark ansteigen. Dadurch werden erheblich mehr Unterrichtsgebäude und Lehrer gebraucht als bisher.

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Ein Lehrer steht gestikulierend vor einer Schulklasse.
In Niedersachsen mussten die Lehrkräfte an Gymnasien seit dem Sommer 2014 eine Stunde pro Woche mehr arbeiten, weil das Land Geld...Foto: dpa/picture-alliance

In Berlin werden die Schulplätze knapp: Weil die Schülerzahlen in den kommenden Jahren stark steigen, werden erheblich mehr Unterrichtsgebäude und Lehrer gebraucht als bisher. Besonders eng wird es in Lichtenberg, Treptow-Köpenick und Pankow. Das geht aus dem neuen Schulentwicklungsplan des Landes hervor, der am Dienstag im Senat behandelt wurde.

2022/23 gibt es demnach rund 40.000 Schüler mehr als heute, prognostiziert wird eine Anzahl von rund 336.000 Schülern. Für diese Schüler werden 2500 Lehrer mehr benötigt. Um die vielen Schüler unterzubringen, muss nun massiv ausgebaut werden. Das Land setzt verstärkt auf Gebäude in Schnellbauweise, sogenannte „modulare Ergänzungsbauten“, und auf die Neueröffnung ehemaliger Schulstandorte und leer stehender Gebäude. Daneben sollen auch Flächen aus Landeseigentum gesichert werden, sagt Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD).

Starke Anstieg sei erkennbar gewesen

So sieht ein sogenannter modularer Ergänzungsbau an der Brodowin-Grundschule in Alt-Hohenschönhausen aus.
So sieht ein sogenannter modularer Ergänzungsbau an der Brodowin-Grundschule in Alt-Hohenschönhausen aus.Foto: Senatsverwaltung

Die Situation wird dadurch verschärft, dass die schulrelevante Altersgruppe, also die der 6- bis 18-Jährigen, doppelt so schnell wächst wie die übrige Bevölkerung. Dies hängt damit zusammen, dass viele Familien aus Deutschland und der EU nach Berlin ziehen und auch weiterhin viele Flüchtlinge mit Kindern in die Stadt kommen.

Der starke Anstieg innerhalb kurzer Zeit sei erst bei der jüngsten Bevölkerungsprognose erkennbar gewesen, heißt es im Schulentwicklungsplan. Das habe zur Folge, wird im Amtsdeutsch der Schulverwaltung ausgeführt, dass die „erforderlichen Schulraumkapazitäten bei den üblichen Planungs- und Bauzeiten nicht zeitgerecht zur Verfügung stehen würden“.

Bildungspolitiker Stefanie Remlinger von den Grünen sieht das anders und weist darauf hin, dass es seit 2011 keinen Schulentwicklungsplan gegeben habe: „Der Senat hat lange tatenlos zugesehen, wie Berlin wächst. Jetzt wird ein Schulentwicklungsplan vorgelegt, nur leider vier Jahre zu spät und ohne Qualität.“ Die Ergänzungsbauten seien lieblos, standardisiert und würden nicht den Anforderungen moderner Pädagogik genügen, zudem gebe es Probleme bei der Akustik und gesundheitliche Bedenken wegen fehlender Lüftungen. „Wir brauchen ein echtes Neubauprogramm statt immer neuer Sonderprogramme und Provisorien.“

400 Millionen Euro für richtige Neubauten

Eine Sprecherin der Bildungsverwaltung weist darauf hin, dass die Ergänzungsbauten voll funktionsfähige Schulbauten seien und auch optisch nicht an Container erinnerten. Für ihre Errichtung stelle das Land 18 Millionen Euro zur Verfügung. Dazu kommen 78 Millionen Euro aus dem Programm „Sondervermögen Infrastruktur der wachsenden Stadt“ (SIWA) für Schulbauten. „Wir fordern 400 Millionen Euro für richtige Neubauten“, sagt dagegen Remlinger.

„Berlin muss endlich langfristig, nachhaltig und über Bezirksgrenzen hinweg den Schulplatzbedarf planen“, fordert Regina Kittler von der Linkspartei. Obwohl seit spätestens Anfang 2012 klar gewesen sei, dass die Schülerzahlen enorm wachsen, haben die Bezirke unter dem Haushaltsdruck Schulen schließen und abgeben müssen. Martin Delius von den Piraten spricht von einer „pädagogischen Katastrophe“ und fordert „Schulen, die den Namen auch verdienen“.

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