Berlin : Steinerne Drachen und ein Meer aus Kies

Morgen eröffnet der „Garten des zusammenfließenden Wassers“ - mit japanischen Künstlern

Heidemarie Mazuhn

Harken ist nicht gleich harken – nicht bei Shunmyo Masuno. Der Gartendesigner, aus Tokio ist der Schöpfer des „Gartens des zusammenfließenden Wassers“ im Erholungspark Marzahn. Gern führt er vor, wie man sich verlieren kann, wenn man sich nicht auf das Muster des Kieses konzentriert, der den Wasserfall umgibt. Der ergießt sich, aus Steinen geformt, von der Anhöhe des Areals, das gestern erstmals seine puristische Schönheit hinter dem hölzernen Eingangstor preisgab.

Wie alles in der japanischen Raumgestaltung hat dabei auch das Tor eine besondere Bedeutung – wer es durchschreitet, soll sich auf die andere Welt dahinter einstellen. Eine symbolische Gartenwelt ist es, die sich morgen erstmals öffnen wird.

Karpfen überspringen darin einen Wasserfall und landen als Drachen im Himmel – nicht alle sahen gestern auf Anhieb, was ihnen der Hauptpriester des Tempels Kenkohji beim Rundgang durch seine neueste Gartenschöpfung erklärte. Der scheinbar alterslose Musano trug dazu die Arbeitskluft der Zen-Priester – ein dunkelblaues legeres Gewand, vorn mit einer Art Lätzchen, hinter dem er meist seine Hände verbirgt. Ob er sie, wie für einen Zen-Buddhisten üblich, meditierend gefaltet hielt, war nicht zu sehen. Auch den Karpfen erkannten nicht alle in dem Stein vor dem steinernen „Wasserfall“. Und schon gar nicht sahen alle das „Meer“ in dem wellenförmig geharkten Kies, über den eine Brücke führt, die Eintracht und Freundschaft symbolisiert. Meditiert wurde auch noch nicht auf den Holzbänken in dem offenen Pavillon aus Zypressenholz mit Blick auf sattes Wiesengrün. Und beim Klicken der Kameras hörte gestern wohl niemand das Murmeln des außer dem „steinernen“ auch noch vorhandenen echten Wassers, um so seine Vorfahren flüstern zu hören. Das zusammenfließende Wasser drückt den Wunsch nach einem friedlichen Miteinander aller Menschen aus.

Eine „unbeschreibliche Freude“ war es deshalb gestern nicht nur für Shunmyo Masuno, dass sein Garten „Yuu Sui En“ – das heißt japanisch „zusammenfließendes Wasser“ – nach zwei Jahren nun gerade im Frühling fertig wurde. Auch der hiesige japanische Gesandte, Takeshi Yagi, und Senatsbaudirektor Hans Stimmann freuten sich über dieses „konkrete Stück Japan in Deutschland“.

Das soll sich nicht nur zu einem Zentrum des kontemplativen Verweilens entwickeln, sondern gleichzeitig die Möglichkeit bieten, sich aktiv mit der Kunst und Kultur Nippons auseinander zu setzen. Den Anfang macht morgen ein Kulturprogramm.

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