Berlin : Stempeln gehen für das Streikgeld

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Von Tobias Arbinger

Auch am Potsdamer Platz standen gestern die Kräne still. In der Früh kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Arbeitswilligen, die auf das Gelände des Beisheim-Centers wollten, und Streikenden, die sie daran hinderten. Per einstweiliger Verfügung verbot das Arbeitsgericht der Gewerkschaft IG Bau am Mittag solche „rechtswidrige Streikmaßnahmen“. Nach Angaben des Bauindustrieverbandes ist eine „völlige Blockade“ von Baustellen untersagt. Außerdem wies der Bauverband Vorwürfe zurück, auf den Baustellen würden „Prügeltruppen“ eingesetzt.

Am Vormittag ist von der Aufregung nichts mehr zu spüren. Unter Beifall befestigen Arbeiter ein Transparent an einem Baugerüst. Am Zaun suchen die Streikposten bei brütender Hitze unter Sonnenschirmen Schutz. Etwa 300 Beschäftigte arbeiten normalerweise am Beisheim-Center. Von den meisten ist nichts zu sehen, einige Dutzend streikende Bauarbeiter sind vor Ort. Gewerkschaftssekretär Bodo Olitzsch spricht trotzdem von einem „riesigen Erfolg“, denn kaum einer auf der Baustelle Beisheim-Center sei in der Gewerkschaft. Viele hätten am Morgen im Streikzelt ihre Kontrollkarten abstempeln lassen. Am Abend müssen sie ein weiteres Mal kommen, um das Streikgeld zu erhalten: Der Wochensatz liegt beim Elffachen eines Monatsbeitrages der IG-Bau.

Am zweiten Tag der Aktion weitete die IG Bau ihre Streiks in Berlin auf weitere Baustellen aus. Nach Gewerkschaftsangaben legten etwa 1300 Bauleute die Arbeit nieder. In den Arbeitskampf einbezogen wurden auch elf weitere Baustellen am Lenné-Dreieck nahe dem Potsdamer Platz. Die Gewerkschaft will den Streik so lange fortsetzen, bis ein „vernünftiges Angebot“ vorliege, sagte IG-Bau-Geschäftsführer Rainer Knerler. Er begrüßte Signale der Arbeitgeberseite, wieder an Verhandlungen teilzunehmen. Eine reine Gesprächsofferte reiche für eine Wiederaufnahme der Verhandlungen aber nicht aus.

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