Berlin : Steppenwölfe

Hartmut Wewetzer

„Die Gegend gilt nicht gerade als ein Arkadien“, schreibt der Essayist und Erzähler Werner Liersch über Brandenburg. Das Urteil über die Mark fiel schon früher wenig schmeichelhaft aus: „Schreckliche Sandflächen“ und „grässliche Sandsteppen“ beklagte Joseph von Eichendorff, von einer „Sandwüste“ sprach der dänische Dichter Atterbom (heute könnte man hier und da fast schon von einer Windradwüste sprechen). Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn es gibt auch das „Dichterland Brandenburg“. So lautet der Titel von Lierschs Buch, in dem er sich auf „literarische Streifzüge zwischen Oder und Havel“ begibt.

Es ist ein reizvoller Kontrast, die karge Landschaft auf der einen, die reiche literarische und historische Vergangenheit auf der anderen Seite. Von Voltaire und Friedrich dem Großen, von Tieck, Kleist und dem unvermeidlichen Fontane bis zu Tucholsky, Fallada, Brecht, Strittmatter. Liersch nimmt uns mit auf einer Reise durch das Land – und durch Leben und Werk seiner Schriftsteller.

Werner Lierschs Buch ist kein präziser Reiseführer, keine akribische Biografie oder literarische Werkschau. Aber es ist von allem ein bisschen und zugleich etwas ganz Eigenes. Denn Liersch kann erzählen, er führt in seinen genauen, manchmal lakonischen, manchmal verplauderten Schilderungen alle diese Dinge zusammen. Eine schöne Lektüre, die neugierig macht auf die Dichter der Sandwüste.


Dieses Buch bestellen Werner Liersch: Dichterland Brandenburg, Literarische Streifzüge zwischen Havel und Oder. Artemis & Winkler, Düsseldorf. 276 Seiten, 19,90 €.

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