Berlin : Sterntaler

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VON TAG ZU TAG

von Ekkehard Schwerk

Der zweifelsohne alberne Wunsch, einmal im Leben das Geld zum Fenster hinauszuwerfen, schien sich zu erfüllen. Es war an einem späten Abend. Der Alberne hatte nichts Besseres vor, als seinen verluderten Schreibtisch aufzuräumen, auszumisten. Dabei fand er in einem Schächtelchen folgende Münzen: drei Franc, vier Groschen, zwei Sechser, einen Pfennig. Weg damit! Aber wohin? Er öffnete das Fenster und warf alles hinaus. Ein kleines Klirren verlor sich in der Nacht. Anderntags wollte er nachschauen, ob sich jemand danach gebückt hat.

Das hatte den Mann derart aufgekratzt, dass er noch nicht schlafen gehen wollte. Er schenkte sich noch ein Gläschen ein und begann darüber nachzudenken, ob er nun Geld oder wertlos gewordene Münzen zum Fenster hinausgeworfen habe. Wenn Geld von gelten abstammt, einem laut Duden-Etymologie „gemeingermanischen“ Wort für „kultische oder rechtliche Einrichtung, Abgabe“, dann handelte es sich bei den hinausgeworfenen Münzen nicht um Geld im gemeingermanisch-gültigen Sinne. Nur Metall von nicht nennenswertem Wert.

Am anderen Morgen fand sich im Umkreis der aufklirrenden Münzen nichts mehr von ihnen. Also musste es jemanden gegeben haben, der eingesammelt hat, wonach zu bücken sich ihm nach dem alten Sprichwort gehörte: „Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert.“ Also wird es wohl ein Kind gewesen sein, das frühmorgens zum Kindergarten gebracht wird und an die Geschichte vom Sterntaler glaubt. Dieser Gedanke war dem Mann viel mehr wert als drei Franc, vier Groschen, zwei Sechser und ein Pfennig, bevor sie als Geld ihre Gültigkeit verloren.

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