Berlin : Sterzinsky gerät auch in Rom unter Druck

Berliner Erzbischof verhandelt nun im Vatikan – vor Hochamt warf er Unterzeichner der Beschwerde gegen ihn aus der Sakristei

Martin Gehlen

Die Auseinandersetzungen um Kardinal Georg Sterzinsky werden nun auch in Rom verhandelt. Der Berliner Erzbischof, der sich seit Montag im Vatikan aufhält, wird dort mit dem Präfekten der Bischofskongregation, Kardinal Giovanni Battista Re, zusammentreffen. Das erfuhr der Tagesspiegel aus Kreisen der Kurie. Im Mittelpunkt des Gespräches soll die Krise des Berliner Erzbistums stehen.

Kardinal Re ist der Adressat eines Beschwerdebriefes, den eine Gruppe von Priestern, Diakonen und Laientheologen aus dem Erzbistum Berlin Anfang November geschrieben hatte und in dem von „einem großen Vertrauensverlust bei Priestern, pastoralen Mitarbeitern und vielen Gemeinden ihrem Bischof und seiner Leitung gegenüber“ die Rede ist. Die Unterzeichneten erbaten „Hilfe von Seiten der römischen Mutterkirche“ sowie die Entsendung eines Apostolischen Visitators.

Vor seiner Abreise nach Rom hatte Sterzinsky in einem Interview mit der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA) erklärt, ihm wäre es am liebsten, „Rom würde sich möglichst bald melden“, denn der Vorgang behindere ihn bei der Arbeit. Er werde überall auf den Beschwerdebrief angesprochen. „Einige sind misstrauisch und sagen, wenn über einen Bischof – was sehr selten ist in der Kirche Deutschlands – in Rom Beschwerde geführt wird, dann stimmt doch da was nicht“, sagte Sterzinsky.

Der bisherige Nuntius in Deutschland und künftige vatikanische Außenminister, Giovanni Lajolo, hatte in diesem Zusammenhang vor einer Woche gegenüber dem Tagesspiegel erklärt: „Der Heilige Stuhl verfolgt die Krise mit Sorge.“ Zur Begründung sagte Lajolo, die Bedeutung des Berliner Bistum sei wesentlich größer als die Zahl der Katholiken hier. Es strahle in die ganze Welt aus. Lajolo zählt in seiner neuen Position neben Kardinal Re zu den einflussreichsten Purpurträgern im Vatikan.

Im Blick auf die Gruppe der Briefeschreiber sagte Sterzinsky gegenüber KNA, ihm sei sehr daran gelegen, dass es nicht zu einer Konfrontation, sondern zu einem Austausch komme. Ihm ginge es um einen Dialog, „in dem jeder auf den anderen zu hören bereit ist und der nicht vor der Öffentlichkeit geführt wird“.

Trotz dieser Absichtserklärung kam es kürzlich vor dem sonntäglichen Hochamt in der St. Hedwigs-Kathedrale zu einem Zwischenfall zwischen Kardinal Sterzinsky und einem der Unterzeichner des Briefes. Der Berliner Erzbischof bedeutete dem in der Sakristei anwesenden und für das bischöfliche Hochamt eingeteilten ständigen Diakon Thomas Marin, er wolle mit ihm nicht zusammen am Altar Gottesdienst feiern und Marin solle die Sakristei verlassen. Marin sah sich daraufhin gezwungen, zu gehen. Von den Mitgliedern des Domkapitels schritt nach den Berichten niemand ein.

Der Münsteraner Kirchenrechtler Klaus Lüdicke nannte die Reaktion Sterzinskys angesichts des Beschwerdebriefes an Rom „verständlich“. Man könne den religiösen Vollzug vom äußeren Umgang nicht völlig trennen. In einem solchen Fall müsse man „normalmenschliche Maßstäbe“ anlegen mit dem Ergebnis, „dass das Verhalten Sterzinskys nicht zu beanstanden ist“.

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