Stiftung Mercator : Gute Führung

Ein neues Leadership-Zentrum in Berlin hilft Führungskräften, Verantwortung fürs Gemeinwohl zu übernehmen.

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Dem türkischen Nachbarkind abends eine Geschichte vorzulesen, kann ein erster Schritt sein. Bei den komplexen Problemen, mit denen sich die Gesellschaft zum Beispiel bei der Integration von Zuwanderern konfrontiert sieht, wenn diese aus bildungsfernen Schichten stammen, reicht aber der gute Wille oft nicht mehr aus. Es geht nicht mehr nur darum, konkrete Hilfe zu leisten, sondern gesellschaftliche Probleme in der Öffentlichkeit zu thematisieren und sich wirksam für Lösungen einzusetzen.

Hier wird künftig die am Hackeschen Markt ansässige Stiftung Mercator verstärkt aktiv. Mit einem neuen Zentrum will sie Führungskräfte aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Verwaltung und vor allem aus dem Dritten Sektor dabei unterstützen, effizient Verantwortung für das Gemeinwohl zu übernehmen. Das neue Projekt hat zwar einen etwas umständlichen Namen, „Mercator Capacity Building Center for Leadership & Advocacy“, wird aber kurz nur LEAD genannt. Rund eine Million Euro will die Stiftung Mercator in den kommenden Jahren investieren. Direktor Tobias Leipprand will Anwärter, die den Auswahlprozess bestehen, mittels hochkarätiger Dozenten zum Beispiel in den Bereichen Themenanwaltschaft und politische Kommunikation weiterbilden.

In den Kursen geht es zum Beispiel um das Potenzial emotionsbasierter Führung, also darum, dass nach Erfahrung der Stiftungsexperten Gefühle im Alltag meist unterschätzt werden und ein achtsamer Umgang mit sich und anderen erhebliche Ressourcen freilegen könne. „Values & Ethics“ behandelt das neue Problem, dass ethische Fragen bei der Entscheidungsfindung an Bedeutung gewinnen, gleichzeitig aber der Zeitdruck und der damit einhergehende Mangel an Informationen wächst.

Es gibt im neuen Zentrum auch eine Schreibwerkstatt für Debattenbeiträge und ein Laboratorium, in dem Mitglieder von Non-Profit-Organisationen strategische Themenanwaltschaft erlernen können. Gesprächsführungstechniken und ergebnisorientierte Verhandlungsführung spielen ebenfalls eine Rolle. Als nützlich kann sich auch ein sogenanntes Überlebenspaket für öffentliche Auftritte erweisen. Außerdem will Leipprand zusammen mit Universitäten und wissenschaftlichen Instituten die immer neuen Rollen von Themenanwaltschaft in der globalisierten und digitalisierten Welt erforschen. Konferenzen, Diskussionsrunden und Symposien sollen das Angebot ergänzen.

Für die Trainingsprogramme kann man sich übers Internet bewerben, die Teilnahme ist dann kostenlos, nur Reisekosten können nicht übernommen werden. Man sollte als Bewerber einer Organisation des Dritten Sektors angehören, mindestens drei Jahre Berufserfahrung und eine exzellente Ausbildung haben.

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