Berlin : Stiftungsmanager Graf Strachwitz

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Gerade zurück aus München – auf dem Weg in das zentral gelegene Büro seines „Unternehmens“, dem gemeinnützigen Maecenata Institut in der Albrechtstraße, sitzt er mir beim Essen gegenüber, ganz Graf: ein Hauch von Salem, gepflegte Erscheinung, runde Brille, geflochtene Manschettenknöpfe, von ausgesuchter Höflichkeit. „Ein Europäer“ sei er, in der Schweiz geboren, in Italien und Bayern aufgewachsen mit „Vorfahren in jedem europäischen Land“. Die Familie, katholisch, stammt aus Schlesien. Sein Vater war Botschafter beim Vatikan, die Mutter eine Cousine von Graham Greene, mit dem sie ein Buch über Afrika gemacht hat. Dass der Sohn mit neun Jahren ins Internat kam, war für seine englische Mutter selbstverständlich.

Dem Abitur folgten ein Stipendium in den USA und zwei Jahre beim Bund mit „Abschluss“ als Hauptmann bei den PanzerAufklärern. Obwohl ihm die Zeit gefallen hat, als Offizier weitermachen, das wollte er nicht. Das Gemeinschaftsleben hatte der Internatsschüler satt. Dann kam das Studium: Politik, Geschichte und Kunstgeschichte in München.

Thema seiner Magisterarbeit war die Geschichte einer englischen Bürgerschaftsbewegung im 17. Jahrhundert – und bürgerschaftliches Engagement sollte auch das bestimmende Thema seines Lebens werden. Das zeigen seine beruflichen Stationen: Zwei Jahre in der Weltzentrale der Malteser in Rom, Landesgeschäftsführer der Malteser Hilfsdienste in München, Chef der Vermögensverwaltung des Herzogs von Bayern. Non-Profit-Management, sagt er, hat er von der Pike auf gelernt. Aber dann wollte der FDP-Mann sich „frei öffentlich äußern“ können. Deshalb hat er sich 1989 mit der Maecenata als Berater selbstständig gemacht. 1997 gründete er das Maecenata Institut in Berlin, das sich als unabhängiger sozialwissenschaftlicher Think Tank versteht und die Zivilgesellschaft erforscht. Das Institut will den Dialog zwischen Wissenschaft, Praxis und Politik fördern. Heute ist das Maecenata-Institut ein An-Institut der Humboldt-Uni mit sieben Mitarbeitern.

Für unsere Gesellschaft sieht er eine vernünftige Balance zwischen Freiheit und Ordnung als entscheidend an. Es drohe heute eine „wertelose Ordnung“, die noch schlimmer sei als eine wertelose Freiheit. Die „Zivilgesellschaft“ sei deshalb seine „Besessenheit“. Im neuen Regierungsprogramm müsste ganz oben eine Reform des Stiftungswesens stehen, die private Initiativen fördert. In Berlin lebt er am Asternplatz, am Starnberger See hat er ein kleines Haus. Er liebt Gärten, hält sich mit Nordic Walking fit und sammelt zeitgenössische Kunst. Daneben wirkt er in gemeinnützigen Institutionen wie Europa Nostra und hilft, wo er kann. In Sri Lanka gibt es seit dem Tsunami einen Maecenata Fischladen und Maecenata-Fischerboote.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels.

Rupert Graf

Strachwitz (58)

ist Direktor des

Maecenata Instituts in Berlin und Gesellschafter der Maecenata-

Gruppe. Er unterstützt

zahllose gemeinnützige Institutionen.

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