Berlin : Stille Tage in Neukölln HINTER DEN FASSADEN DER DIPLOMATIE: BERLINER RESIDENZEN (4)

Ein wenig Vatikanstadt am Südstern: Zu Hause beim Apostolischen Nuntius Erzbischof Dr. Giovanni Lajolo

Natascha Meuser/Tsp.

Botschafter sind privilegierte Menschen. Sie leben, wie der Normalbürger es sich vorstellt: in eleganten Berliner Villen. Doch ihr Heim ist immer auch Dienstsitz – eine Bleibe auf Zeit. Und die Räume sind selten ganz privat, sondern immer in erster Linie Repräsentanz. Unsere Serie ermöglicht einen Blick durchs Schlüsselloch – in die feinsten Residenzen der Stadt.

Die apostolische Nuntiatur hat sich eine mächtige Nachbarin gesucht: die Sankt-Johannes-Basilika, die größte katholische Kirche Berlins, in der Nähe des Südsterns. Der moderne Bau der diplomatischen Vertretung des Vatikans – er entstand nach einem Entwurf des Münsteraner Architekten Dieter-Georg Baumewerd – steht dennoch nicht im Schatten des Gotteshauses. Den Standort hat der Nuntius, Erzbischof Dr. Giovanni Lajolo, mit Kalkül gewählt: Das Grundstück des Bistums war das dem Zentrum am nächsten gelegene und – nicht zuletzt, sagt der Nuntius – befinde man sich in Neukölln unter „ganz normalen Berlinern“.

Die Nuntiatur bietet auf vier Etagen Platz für Kanzlei, Bibliothek, Archiv, Repräsentationssäle und die Wohnräume für Nuntius, vier Priester, zwei Diplomaten, zwei deutsche Mitarbeiter und fünf Ordensschwestern. Das Innere strahlt in hellen Farben und Weiß. Eine Glasfront lässt den Blick auf die Basilika frei.

Der Vatikan hat Mobiliar beigesteuert: Für den großen Salon, die „gute Stube“ des Hauses, hat der Nuntius unter anderem Stühle aus dem Fundus in Rom ausgesucht. Die Residenz strahlt wunderbare Ruhe aus. Moderne Sakralkunst prägt die Räume. Herz des Gebäudes ist die Kapelle im Nordflügel. Sie ist Maria, der „Mutter der Weisheit“ gewidmet. 18 bunte Glasfenster, deren biblische Motive von dem Künstler Wilhelm Buschulte stammen, lassen den Raum selbst bei Regenwetter leuchten.

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