Berlin : Stilljestann!

Bernd Matthies

über die Aufrüstung in den Ordnungsämtern Wenn im Park die Kampfhunde knurren und die Radler pampig auf dem Recht des Schnelleren beharren, dann ist manch einer der neuen Ordnungshüter mit seinem Latein am Ende – es fehlt an Kraft und Autorität. Vermutlich war es deshalb unausweichlich, dass sich eine Spirale in Gang setzen würde, die nun in Charlottenburg eine Idee geboren hat: Warum nicht ehemalige Zeitsoldaten in die Parks entsenden?

Der erste patrouilliert schon. Er beherrscht vermutlich alle Formen der Ansprache vom Plauderton („Morjen!“) bis zur strengen Verwarnung („Stilljestann!“), kann mit bloßen Fäusten ebenso gut helfen wie Karatehiebe austeilen, kann zum Schutz der Sandkästen strategisches Wissen einbringen und im gut gebügelten Tarnanzug eins werden mit Baum und Strauch, Tag und Nacht.

Genug für die braven Charlottenburger. In anderen Bezirken mit härteren Anforderungen dürften militärische Fertigkeiten gefragt sein, die eher in den Spezialkommandos gepflegt werden. Pensionierte Kampftaucher könnten vom Schilf des Ententeichs aus unbemerkt den frevelnden Bürger ausspähen, Phantom-Überflüge mit Wärmebildkameras würden Hunde beweissicher überführen, noch bevor das Corpus Delicti erkaltet. Dann schlüge die Stunde der ausgemusterten Fallschirmjäger, die neben jedem aktenkundigen Haufen ihre Fähigkeit zur akkuraten Punktlandung demonstrieren könnten, noch bevor Hund und Halter außer Sicht sind. Das würde Aufsehen erregen und heilsame Schocks in die Reihen der Stadtpark-Rüpel tragen. Auf den Einsatz von Panzern und U-Booten ließe sich dann vermutlich sogar verzichten.

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