Berlin : Stilwerker Klaus Gennrich

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Keine wirklich stille Zeit im Stilwerk an der Kantstraße. Aber auch keine lärmende Hektik wie sie in anderen Berliner Einkaufszentren dieses Jahr zur Vorweihnachtszeit herrscht. Mit knapp einer Million Besuchern im Jahr und 6000 am ersten Adventswochenende ist der braungebrannte, leger schwarz gewandete Mann mit den offenen blonden Haaren und dem verwegenen Blick zufrieden.

Nicht nur die schöne Aussicht aus den Büros auf dem Dach des Hauses ist beeindruckend, sondern auch die Aussichten zur Zukunft des Stilwerk-Modells „Themencenter für Einrichtung und Design“, ein Import aus Hamburg. Neue Häuser sind neben Düsseldorf in Frankfurt, Stuttgart und München geplant.

Die 59 Mieter auf zusammen 19 000 Quadratmetern in Berlin sind mit der Entwicklung recht zufrieden. Die Delle von 2003 nach der ersten Neugier-Welle mit der Eröffnung ist überwunden. Die Mieten von zwischen 16 und 24 Euro pro Quadratmeter sind moderat und die 162 Parkplätze in den Untergeschossen zunehmend genutzt. Viele der Erstmieter sind noch dabei. Das Angebot reicht von Möbeln, Lampen, Messern und Geschirr bis zu Bodenbelägen, Pflanzen und Pianos. Die Galerie von Wewerka markiert die Philosophie der Stilwerke: Design, Kultur und Kommerz zu verbinden. Mit gut 120 Veranstaltungen, Konzerten und Ausstellungen unten im Foyer oder ganz oben im 290 Quadratmeter großen Forum lösen die Center-Manager diesen Anspruch ein. Hierfür stehen gut 100 000 Euro im Jahr aus der „Werbe- und Kulturumlage“ bei den Mietern zur Verfügung, bei einem Jahresbudget von insgesamt 450 000 Euro. Für sein kulturelles Engagement hat der einstige Stadt- und Regionalplaner sowie Möbelhändler Klaus Gennrich die Bürgermedaille bekommen. Das motiviert zu weiteren Taten.

Überhaupt bestimmt die herausfordernde Aufgabe, zwischen den Mietern, ihrem Beirat, den Eigentümern – heute ein Fonds der Dresdner Bank – ,der Zentrale in Hamburg und den Berliner Besuchern und Kunden zu „vermitteln“, sein ganzes Leben. Auf ein stilvolles Sortiment und Programm innen und ein gediegenes, Vertrauen weckendes Auftreten nach draußen ist er bedacht. Von den rund 200 Menschen, die hier täglich von 10 Uhr bis 20 Uhr arbeiten, sind die meisten qualifizierte Fachleute, die beraten und entwerfen. Und die sind knapp. Deswegen wird man die freien Öffnungszeiten hier gar nicht nutzen können.

Und wie geht es weiter? Der Quereinsteiger, der sein Studium an der FU mit einem enorm erfolgreichen Job als Importeur schwedischer Möbel nach Berlin – anfangs Ikea-Produkte unter der Marke Trollhus – beendet hat, wurde 2001 zum Stilwerk geholt, weil er „Berliner und möbelaffin“ war. Er hat das Gefühl, dass er den Job erfolgreich macht. Dem Beinahe-Stadtplaner gefällt auch, wie sehr die einst eher öde Kantstraße sich mittlerweile zur Berliner Möbelmeile entwickelt. Er ist überzeugt davon, dass Westberlin für den Kauf bestimmter hochwertiger Produkte auch für Ostberliner und für die wachsende Zahl der Touristen attraktiv bleibt und sich der Go-East-Trend der vergangenen Jahre allmählich umkehrt. Der Vater eines 14-jährigen Sohnes wohnt selbst in Westend.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels.

Klaus Gennrich (56), der aus Tempelhof stammende Berliner ist Stadt- und Regionalplaner und seit 2001 Center-Manager im Stilwerk Berlin,

Kantstraße 17

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