Berlin : Stimmann weinte an Kleihues’ Sarg

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Es war einer der bewegendsten Momente bei der Trauerfeier für den verstorbenen Architekten Josef Paul Kleihues: Senatsbaudirektor Hans Stimmann verneigte sich in der Kapelle des Friedhofs am Dahlemer Hüttenweg weinend vor dem Sarg. Den Trauergästen ging es zu Herzen, als sich Architekt Oswald Matthias Ungers, fast 50 Jahre lang mit Kleihues befreundet, vom „lieben Jo“ verabschiedete. Mit sehr persönlichen Worten erinnerte sich der Maler Markus Lüpertz an die letzte Begegnung mit dem todkranken Freund, der „westfälisch stur“ kein Mitleid zugelassen habe. „Stumm weint der Abschied“, sagte Lüpertz.

200 Gäste waren gekommen, um der Familie in der Trauer beizustehen, darunter Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg JungeReyer, bekannte Architektenkollegen, frühere Bausenatoren, Investoren. Der Violinist Laurentius Dinca spielte Werke von Bach. Pfarrer Carl Möller würdigte den Verstorbenen als großen Architekten, Denker und Philosophen. Möller zitierte in seiner Predigt „Das himmlische Jerusalem“ aus der Offenbarung des Johannes. Sie handelt von einem Engel, der die Vision einer vollkommenen Stadt hat. Eine gleiche Vision habe auch der Verstorbene vor Augen gehabt, ein „wahrer Liebhaber des Städtebaus“. Das Vollkommene aber, so der Pfarrer, „wartet auf uns in der Welt, die wir noch nicht kennen“. Kleihues, der viel für die Städte der Welt getan habe, möge einen Platz finden, den Gott ihm selbst bereitet habe.

Am 13. August war der Architekt im Alter von 71 Jahren in Berlin gestorben. Der im Münsterland geborene Kleihues hatte sich als Planungsdirektor und Mitgestalter der Internationalen Bauausstellung (IBA) in den achtziger Jahren weltweit einen Namen gemacht. Er galt als ein Wegbereiter der „kritischen Rekonstruktion“ in Berlin, der Besinnung des Städtebaus auf das historische Straßenraster der Innenstadt. In Berlin plante er unter anderem das Hochhaus am Kant- Dreieck und den Umbau des Hamburger Bahnhofs zum Museum. C. v. L.

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