Berlin : Stimmann-Wohnung sei zu luxuriös für sozial benachteiligte Mieter

C. v. L.

Hätte das Schöneberger Wohnungsamt eine kinderreiche Familie vorgeschlagen, dann wäre diese in die Sechs-Zimmer-Wohnung in der Welserstraße eingezogen, die für Senatsbaudirektor Hans Stimmann vorgesehen ist. Das versicherte gestern Justitiar Reinhard Fuchs von Rabenau von der städtischen Wohnungsgesellschaft DeGeWo.

Der Bezirk habe von seinem Belegungsrecht für die ehemals landeseigene Wohnung aber keinen Gebrauch gemacht und gegen die von der DeGeWo genannten zwei Interessenten keine Einwände gehabt.

Baustadtrat Gerhard Lawrentz (CDU) sagte, es handele sich um eine sehr luxuriöse Wohnung, in der man sozial benachteiligte Personen nicht unterbringen könne. Er habe im übrigen "nicht gewusst, welcher illustre Mieter da zur Debatte steht". Wie berichtet, entschied sich das Wohnungsunternehmen letztlich für den Senatsbaudirektor, der sich seit 1991 um eine große Altbauwohnung beworben haben und auf einer Warteliste gestanden haben soll. Der abgewiesene Bewerber hatte auf eine mündliche Zusage vertraut und dann überraschend erfahren, dass man Stimmann berücksichtigen müsse. Er warf der DeGeWo eine "politisch begründete" Entscheidung vor.

Die DeGeWo verwahrte sich: Man sei "sehr sensibel im Hinblick auf die Entwicklung in der Politik". Erst ein Vorvertrag hätte verbindlich sein können. Dieser aber habe zur Zeit der Absage nicht vorgelegen, so dass der andere Bewerber keinen Rechtsanspruch herleiten könne.

Die DeGeWo teilte weiter mit, dass es für dieses Miethaus keine spezielle Bewerberkartei gegeben habe, so dass Stimmann für diese bestimmte Wohnung nicht vorgemerkt war. Es gebe allerdings eine "allgemeine Kartei" für innerbezirkliche Lagen. Über die Zahl der Bewerbungen war keine Auskunft zu erhalten, allgemein hieß es nur, dass es "für Altbauwohnungen größere Wartelisten" gebe. Große und teure Wohnungen aber seien auf dem Mietermarkt knapp, auch die Zahl der Bewerber halte sich in Grenzen. "Bei einem Mietpreis um 3000 Mark ist die Luft dünn".

Christa Fluhr vom Verband der Berlin-Brandenburgischen Wohnungsgesellschaften sprach von einem "leergefegten Markt" für Wohnungen ab vier Zimmer, was auch auf den Zuzug aus Bonn zurückzuführen sei.

Hartmann Vetter vom Berliner Mieterverein sagte, Wartelisten seien nur bei Genossenschaften verbindlich. "Bei normalen Vermietern sind Wartelisten keine rechtlich nachprüfbare Geschichte".

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