Berlin : Stölzl will Informatik-Dozenten aus der Wirtschaft besser entlohnen

Robert Ide

Besoldungsreform bei Krisengespräch mit Hochschulen angeregtRobert Ide

Mit Sonderprogrammen und einer Reform der Hochschul-Vergütung will der Berliner Wissenschaftsenator Christoph Stölzl (parteilos) auf die Krise der Berliner Informatik-Studiengänge reagieren. Bei einem kurzfristig anberaumten Gespräch mit den Präsidenten der drei Berliner Universitäten und den Dekanen der Informatik-Fachbereiche regte Stölzl am Dienstag an, die Besoldung von Informatik-Dozenten zu erhöhen.

"Durch auswärtige Kompetenz könnten die Informatik-Studiengänge attraktiver und aufnahmefähiger gemacht werden", sagte Stölzls Sprecherin, Kerstin Schneider, dem Tagesspiegel. Wie berichtet, hatten in der vergangenen Woche die Technische Universität und die Humboldt-Universität einen Numersus clausus für ihre Informatik-Studiengänge beschlossen. Die Maßnahme hatte angesichts des Fachkräftemangels in der Informationstechnik (IT) zu Protesten an den Universitäten und zu Unmut im Berliner Senat geführt.

Nach Vorstellungen der Wissenschaftsverwaltung sollen die Besoldungsrichtlinien nun geändert werden, allerdings nur als Ausnahme für die Informatik-Studiengänge. Bislang regelt die "Richtlinie über die Höhe der Lehrauftragsentgelte" von 1997 die Vergütung auswärtiger Dozenten in Berlin einheitlich. Eine Änderung dieser Vorschrift erfordert allerdings die Zustimmung der Senatsverwaltungen für Finanzen und für Inneres. Außerdem könnte eine Ausnahmeregelung auch auf Protest beim Landesrechnungshof stoßen.

Im Verlauf des zweistündigen Gesprächs legten die Hochschulen dem Senator noch einmal dar, warum sie sich zur Einführung der Zugangsbeschränkungen zum kommenden Semester gezwungen sahen. Die Überlast könne durch die finanziell gebeutelten Hochschulen nicht mehr getragen werden, hieß es von Seiten der Universitäten. Allein an der Technischen Universität seien die Aufnahmekapazitäten um 50 Prozent überschritten worden. Stölzl selbst hatte vor dem Treffen im Tagesspiegel-Interview Verständnis für die "Notbremse" der Universitäten gezeigt.

Die Wirtschaft soll ins Boot

Hilflos will die Berliner Politik die Mangelsituation in der Informatik jedoch nicht hinnehmen. Bevor konkrete Initiativen entwickelt werden, sollen die Universitäten ihren Personal- und Sachmittelbedarf zur Befriedigung der Nachfrage genau auflisten. Zudem soll die Zusammenarbeit mit außeruniversitären Einrichtungen verstärkt werden. Zwar gibt es bereits Kooperationen, etwa zwischen der Freien Universität und dem Konrad-Zuse-Zentrum. Hier bestehen nach Ansicht von Schneider aber noch "viele Ausbaumöglichkeiten". Dafür seien zusätzliche Anreize wichtig.

Beim Ausbau der Informatik-Studiengänge soll die Wirtschaft eine bedeutende Rolle spielen. Sie soll bei einem für Juni einberufenen Runden Tisch mit in die Verantwortung genommen werden, vor allem finanziell. Aus Sicht des Senators ist auch eine personelle Hilfe von Unternehmen für Universitäten denkbar, etwa durch die Entsendung von Dozenten. Dem steht aber noch die Hürde der niedrigen Dozentengehälter im Wege. Und selbst wenn diese beseitigt wird, könnte es Probleme geben. Denn in der boomenden Informatik-Branche mangelt es an ausreichend qualifizierten Fachkräften, die überhaupt Seminare abhalten könnten. Schneider: "Der Markt ist leergefegt."

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