• Stoiber will Premiere mit aller Kraft halten Ringen um Fernsehsender bis zur letzten Sekunde: Umzug nach Berlin ist inzwischen fraglich

Berlin : Stoiber will Premiere mit aller Kraft halten Ringen um Fernsehsender bis zur letzten Sekunde: Umzug nach Berlin ist inzwischen fraglich

Joachim Huber,Christoph Stollowsky

Das Ringen zwischen Berlin und München um den künftigen Standort des digitalen Pay-TV-Senders Premiere ist spannend bis zur letzten Sekunde: Offenbar bemühte sich der bayrische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) auch am Wochenende mit aller Kraft, den Bezahlsender an der Isar zu halten – also vom erwogenen Umzug nach Berlin abzubringen. Zugleich mehrten sich seit Sonnabend die Anzeichen, dass Berlin den Wettkampf um den begehrten TV-Kanal verlieren wird und Premiere seine Zentrale mit rund 800 Mitarbeitern nur innerhalb von München verlegt – vom bisherigen Sitz in Unterföhring in eine neue, schickere Zentrale im Vorort Grünwald. Seine endgültige Entscheidung will der Sender am Montag bekannt geben.

Das Wettrennen um den künftigen Premiere-Standort hat eine Dramaturgie wie mancher Top-Krimi des Senders. So meldete das Nachrichtenmagazin „Focus“ am Sonnabend, Premiere-Chef Georg Kofler halte an München fest, er selbst und viele seiner Mitarbeiter wollten schon alleine aus familiären Gründen an der Isar bleiben. Premiere dementierte diesen Bericht allerdings postwendend.

Trifft er dennoch zu, so wäre dies für die designierte Musik- und Medienhauptstadt Berlin die zweite herbe Enttäuschung innerhalb weniger Tage, denn Anfang der vergangenen Woche gab bereits das Platten-Label Sony Music der Stadt einen Korb: Der Musikriese will „aus Kostengründen“ vom bisherigen Berliner Standort am Potsdamer Platz nach München wegziehen.

Andererseits operiert der rot-rote Senat beim Wettkampf um die Ansiedlung neuer Musik- und TV-Firmen seit 2002 recht erfolgreich mit einem gelungenen Mix aus Fördergeldern und den immer stärkeren kreativen Reizen Berlins – besonders in Konkurrenz mit Hamburg und München. Zunächst siedelte sich der Musik-Riese Universal aus der Hansestadt mit 500 Mitarbeitern am Osthafen an. Anfang 2004 folgte der Musiksender MTV.

Solche Erfolge zeigen nach Ansicht von Branchen-Kennern, dass Berlin inzwischen mit Hamburg, München und Köln auf Augenhöhe konkurriert, von den Beteiligten im harten Medien-Monopoly ernst genommen wird und sich sein Ruf als aussichtsreiches Zentrum des deutschen Musikmarkts festigt.

Gelänge es nun Berlin, den früheren Kirch-Sender Premiere von der Isar weg an die Spree zu locken, so wäre dies der nachhaltigste Beleg seiner Anziehungskraft. Wer allerdings mit München konkurrieren will, muss auch in der ersten medienpolitischen Liga spielen. Und hier liegt Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber derzeit noch vor Berlins Regierendem Klaus Wowereit. So ist er bei der aktuellen Gebührendebatte neben dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Peer Steinbrück (SPD) der wichtigste „Ansager“ unter den Regierungschefs der Länder.

Zugleich setzt Stoiber als entschiedener Befürworter des Privat-TV alles daran, dass die Branche in München stark vertreten ist – mit der Pro Sieben Sat 1 Media AG, dem „Mitmachfernsehen“ Neun live, dem Deutschen Sport-Fernsehen und eben Premiere. Die Privaten sollen sich bei ihm heimisch fühlen.

Wenn es medienpolitisch drauf ankommt, dann passt zwischen Premiere-Chef Georg Kofler, der die Gebühren für ARD und ZDF ein ums andere Mal geißelt, und Edmund Stoiber kein Blatt. Anders als bei Wowereit, der private und öffentlich-rechtliche Sender gleichermaßen schätzt – wenn sie sich denn nur in Berlin ansiedeln.

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