Berlin : Stolpe fühlt sich als Christ angegriffen

Kritik an Beitrag des Historikers Wolffsohn

Potsdam - Der ehemalige Brandenburger Ministerpräsident Manfred Stolpe hat in der Debatte um seine Nachwende-Politik die öffentliche Kritik an seiner Person als Christ durch den Münchener Historiker Michael Wolffsohn zurückgewiesen. In einem Beitrag für die Tagesspiegel-Schwesterzeitung „Potsdamer Neueste Nachrichten“ über den „welthistorischen Blick auf Manfred Stolpe und den Brandenburger Weg“ hatte Wolffsohn gefragt, ob sich der SPD-Politiker für seinen Glauben kreuzigen lassen würde. Dass verletzte ihn, schreibt Stolpe in einem am Dienstag veröffentlichten Leserbrief. „Vieles kann ich ertragen, aber meinen Glauben hat noch niemand in Frage gestellt.“ Stolpe warf Wolffsohn vor, dieser habe in seinem Beitrag „Der Bund der Vergessenden“ seinen christlichen Glauben in Zweifel gezogen.

Wolffsohn hatte in dem PNN-Beitrag die These vertreten, nicht Personen wie Stolpe würden im historischen Blick bestehen und überleben, sondern Menschenrechtler wie etwa Bärbel Bohley. Stolpe schreibt nun: „Michael Wolffsohn fragt in seinem welthistorischen Blick auf den Brandenburger Weg, ob ich mich für meinen Glauben kreuzigen lasse. Das verletzt mich. Kreuzigen ist hierzulande nicht möglich“, so Stolpe. Unter direktem Bezug auf die Kreuzigungsfrage schreibt er weiter: „Es sei denn, man versteht jahrzehntelange Verleumdungen und Beleidigungen als moderne Form öffentlicher schmachvoller Hinrichtung.“

Wolffsohn hatte in seinem Beitrag über Stolpes Nachwendepolitik die These vertreten, dass die Eliten-Kontinuität nach politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen zwar normal sei, dass sich aber historisch niemand an diese Mitläufer erinnern wird: „Wer bleibt, was bleibt? Nicht die Mitmacher und Mitläufer, Anpasser und Angeber, nicht die Bestfunktionierenden und erst recht nicht die chuzpedicken, scheinheiligen Moralisierer, sondern die aufrechten und aufrichtigen Moralisten, deren Wort ihre Tat ist. Stets waren, sind und bleiben sie in der Minderheit, doch ohne ihr Licht gäbe es nur das Dunkel des angepasst mehrheitlich hingenommenen Unrechts und der Unmoral, hätten die Stolpes dieser Welt sogar ein gutes Gewissen und fühlten nicht einmal den Zwang, sich zu rechtfertigen.“ Dann fragt Wolffsohn: „Hätte sich Stolpe für seinen Glauben kreuzigen lassen? Es gab bekanntlich nur einen Jesus und nicht viele, aber immer wieder doch einige Widerstandskämpfer.“ Als Vorbilder nennt der Münchener Historiker die hingerichteten Widerstandskämpfer in der NS-Diktatur, die „letztlich moralische Sieger“ seien.

Stolpe entgegnete darauf: „Ich weiß nicht, welchen Glauben Professor Wolffsohn bei mir erwartet.“ Für ihn stehe christlicher Glaube „für Friedfertigkeit und Gewaltvermeidung, Dialog statt Konfrontation, Aussöhnung statt Rache, Achtung der Menschenwürde und Respekt vor anderen Meinungen, Gerechtigkeit für die Menschen und die Natur. Dafür stehe ich und hoffe, dass mich niemand und nichts zwingen kann darin nachzulassen.“ Tsp

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