Berlin : Stolz auf Berlin

Als Soldaten gegangen, als Veteranen zurückgekehrt: Ehemalige GIs feiern Wiedersehen mit der Stadt

Elisabeth Binder

„Pride“, ist ein Wort, das Amerikaner gern benutzen. Stolz auf etwas zu sein, ist ein gutes Gefühl. In dieser Woche haben 400 Amerikaner Berlin besucht, eine Stadt, auf die sie ganz persönlich stolz sind. Sie alle gehören der Berlin US Military Veterans Association an, sie alle waren in West-Berlin stationiert, um die Freiheit der Stadt zu verteidigen.

„Berlin hat sich dramatisch verändert, vor allem in den letzten zwölf Jahren“, hat Tom Hartney beobachtet. Der Computerexperte aus Virginia gehört zu den Organisatoren dieser Reisen, die alle vier Jahre stattfinden. Schätzungsweise 500 000 Amerikaner leben noch, die mal in Berlin als Soldaten stationiert waren. 1200 sind in der Organisation zusammengeschlossen. Durch das Internet wächst ihre Zahl in letzter Zeit wieder.

„Berlin ist so aktiv, so pulsierend, so durch und durch lebendig.“ Tom Hartney war schon öfter hier und entdeckt immer noch Orte, die neu sind für ihn, die Hackeschen Höfe, den Müggelsee, die Gruften im Dom. Hartney hat andere Tage in Berlin gesehen, war hier während der Kubakrise, auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, damals erst 18. Die Stimmung war so angespannt wie nie zuvor. Und als die Jungen plötzlich dreißigmal so viel Munition für ihre Maschinenpistolen ausgehändigt bekamen, wussten sie: „Hey, das ist wirklich ernst.“ Für ihn ist es immer noch ein Wunder, das damals nicht aus einem Zufall heraus etwas passiert ist. Die Soldaten waren fest davon überzeugt, dass es Krieg geben würde. West-Berlin war kein favorisiertes Ziel für Soldaten. „Niemand wollte gern 110 Meilen hinter dem Eisernen Vorhang stationiert sein. Dass Berlin viel besser war als sein Ruf, war lange ein gut gehütetes Geheimnis. Die guten Beziehungen zwischen den US-Soldaten und den Berlinern sind Legende. Eine Legende, die lebt. Als Hartney vor wenigen Jahren mal am Gepäckband in Tegel wartete, kam er mit einem Berliner ins Gespräch, der ihn interessiert nach seiner Zeit als US-Soldat hier befragte. Dann bedankte er sich dafür, dass er am glücklichen Ende des Kalten Krieges mitgewirkt habe. Was Tom Hartney besonders gerührt hat: „Das war ein Ost-Berliner.“

Die Erinnerungen der Veteranen ähneln sich. Die vollkommen zerstörten Gebäude, die Trümmerfrauen. Ost-Berlin damals ganz in Schwarz und Weiß, West-Berlin immerhin in Farbe. Die meisten fühlen sich in Steglitz und Wannsee immer noch mehr zu Hause als in der anderen Hälfte des neuen Berlin. Viele haben noch Freunde, erinnern sich gern an Weihnachtseinladungen bei Berliner Familien. Niemand hätte aber sich vorstellen können, dass eine so schöne Stadt entstehen könnte. Never.

Rolf und Edith Mitchel aus Las Cruces, New Mexico, sitzen nebeneinander in der Lobby des Hotels Steglitz International. Sie lächeln sich an. Er ist in Charlottenburg geboren, musste 1940 fliehen, weil er Jude war. 1946 kam er zurück. Die erste Chance nutzte er, fuhr in das alte Haus nach Neukölln, klingelte bei den Nachbarn. Eine Fremde öffnete, glücklicherweise wusste sie, wo Edith war, ihre Stieftochter. „Die ist Wäsche aufhängen.“ Später ging Edith mit Rolf zur Straßenbahn, die Soldaten mussten um 22 Uhr zurück sein. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis Rolf merkte, „dass wir Hand in Hand gingen“. Sie tun es immer noch. Wenn das Paar an Berlin denkt, wird der Stolz von einem noch stärkeren Gefühl überstrahlt: Liebe.

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