• STOPP – ABER SOFORT! Zeig’s mir HIER GEHT’S LANG! WACHWECHSEL WARTEN, DIE ANDEREN FAHREN! ACHTUNG, ANHALTEN!

Berlin : STOPP – ABER SOFORT! Zeig’s mir HIER GEHT’S LANG! WACHWECHSEL WARTEN, DIE ANDEREN FAHREN! ACHTUNG, ANHALTEN!

Wenn wieder mal eine Ampel ausgefallen ist, sind die Polizisten in Weiß gefragt: Sie regeln dann den Verkehr. Doch nicht jeder versteht ihre Handzeichen

Annette Kögel

Wenn das erste Signal nichts bewirkt, folgt diese Aufforderung. Jetzt aber bitte anhalten, und zwar plötzlich! Das machen die Beamten mit der flachen Hand vor der Brust deutlich.

Manche der im Straßenverkehr angewandten Handzeichen sind eindeutig, die braucht man nicht weiter zu erklären. Jene etwa, mit denen sich verärgerte Autofahrer untereinander andeuten, was sie voneinander halten. Aber offizielle Gesten und Weisungen der Polizei, mit denen die Beamten den Verkehr regeln, wenn Ampeln ausfallen, verstehen viele Berliner gar nicht mehr. Das beklagt Uwe Schmidt, Leiter des „Verkehrspostenseminars“ bei der Landespolizeischule Berlin. Dabei stauen sich gerade dieser Tage vielerorts Fahrräder, Autos und Motorräder auf Kreuzungen, weil die Signalanlagen nicht funktionieren. „Manch einer hinterm Steuer starrt wie das Kaninchen auf die Schlange, wenn er plötzlich einen Verkehrspolizisten vor sich sieht“, sagt der 48-jährige Polizeihauptkommissar. In Fahrschulen werde das Thema mitunter nur gestreift.

Jeder uniformierte Berliner Polizist im mittleren und gehobenen Dienst lernt diese Körpersprache, mit der er wie in alten Zeiten die Ampelfarben symbolisiert. „In Berlin ist diese Ausbildung im letzten Lehrjahr entgegen der Praxis in anderen Bundesländern Pflicht“, sagt Schmidt. Derzeit erfahren 16 Nachwuchs-Polizisten in einem vierzehntägigen Seminar, wie man Verkehrsteilnehmern verdeutlicht, dass sie bremsen, anhalten oder weiterfahren sollen. Zwei Tage Theorie gehören dazu, den Rest erproben die Auszubildenden erst auf dem Schulhof in Ruhleben, dann in der Praxis. Für Trainingszwecke werden sogar funktionierende Ampeln kurzzeitig außer Betrieb genommen. Die Berliner Polizei hat die Jahrzehnte alten Zeichen teils leicht abgewandelt, damit die Leute sie besser verstehen – wie das eindringlichere „Stopp!“.

Bevor sich die angehenden Polizisten mitten auf der Kreuzung positionieren, geben sich einige erst einen Ruck. Uwe Schmidt: „So richtig wohl ist am Anfang den wenigsten.“ Erst recht während der Schulung bei Dunkelheit und Dämmerung. Dabei kann sich der Ausbilder an keinen größeren Unfall erinnern, bei dem ein Beamter verletzt wurde. Doch auf Kreuzungen, an denen der Mensch die Maschine ersetzt, passieren mehr Auffahrunfälle. „Der erste Autofahrer fährt noch durch, der zweite auch, der dritte hält – und dem rasselt dann der vierte Autofahrer hinten drauf“, schildert Uwe Schmidt so eine typische Karambolage.

Schutzmänner und -frauen dürfen eigentlich nicht länger als zwei Stunden in Staub und Stau den Verkehr regeln – doch eine Ampelwartung oder Reparatur kann auch mal länger dauern. Schmidt: „Da haben sie dann den Abgasgeschmack richtig auf der Zunge.“

Manchmal wird’s eng, und dann fehlen Zentimeter. Folgen Sie dem Weg-Weiser, dann kommen auch Sie schneller voran.

Das geht auf die Knochen, stundenlang da oben stehen. Und in den Jacken wird es ziemlich heiß. Wenn die Kollegen sich abwechseln, kann aber nicht einfach einer gehen, dann herrscht wieder Chaos. Deswegen die kurzfristigen Synchron-Zeichen. Fotos: David Heerde

Rot: Die Fahrbahn ist blockiert, der gegnerische Verkehr darf fahren. Das machen die ausgestreckten Arme klar. Dann zeigt der Beamte den anderen Halt, dreht sich, blockiert dort – jetzt dürfen Sie.

Wenn Sie eine Polizistin wie diese vor sich sehen, räumen Sie die Kreuzung – beziehungsweise treten Sie auf die Bremse und halten Sie noch davor. Das entsprechende Ampelsignal ist Gelb. Also nicht mehr noch schnell rüberrollen!

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