Berlin : Straftäter flüchtete in gestohlenem Taxi

26-jähriger Bulgare entwischte in Tempelhof, als die Kripo ihn festnehmen wollte

Jörn Hasselmann

Die Festnahme ging schief. Als ein Beamter des Landeskriminalamtes (LKA) am Donnerstag um 9.40 Uhr einen 26-jährigen Straftäter festnehmen wollte, entwischte dieser und flüchtete mit einem an einem Halteplatz gestohlenen Taxi. Am Abend war der Bulgare noch flüchtig, der Mercedes wurde am Nachmittag leer in der Gasteiner Straße in Wilmersdorf entdeckt. Gegen den Mann lagen zwei Haftbefehle vor wegen schweren Diebstahls und Beihilfe zur Geldfälschung. Der 43-jährige Fahrer von der Firma Funk Taxi Berlin blieb unverletzt.

Der Zivilfahnder hatte es am Vormittag nicht weit zu diesem Einsatz: Nach Hinweisen auf seinen Aufenthaltsort wollten sie den Bulgaren in der Wohnung der Freundin in der Manfred-von-Richthofen-Straße in Tempelhof festnehmen, also ganz in der Nähe des Landeskriminalamtes. Doch als er sich dem Haus näherte kam ihnen der Gesuchte entgegen, erkannte den Beamten – und lief davon. Der Polizist gab einen Warnschuss in die Luft ab, doch davon ließ sich der Flüchtende nicht aufhalten. Am Taxihalteplatz in der Hoeppnerstraße am S-Bahnhof Tempelhof sprang er auf den Beifahrersitz eines Taxis eines 43-Jährigen aus Treptow. Zeitgleich erreichte der Zivilpolizist den Wagen und forderte den Fahrer auf, nicht loszufahren, weil er einen Straftäter an Bord habe. Dieser erkannte jedoch den mit seiner Pistole fuchtelnden Polizisten nicht als solchen und stieg einfach aus. Wie er bei der Polizei später aussagte, wollte er nicht in den Streit der beiden ihm unbekannten Personen verwickelt werden. Der vermutlich unbewaffnete Bulgare nutzte das aus, rutschte in Sekundenschnelle auf den Fahrersitz und raste davon – der Taxifahrer hatte leider den Schlüssel stecken gelassen.

Der im Kreis Potsdam-Mittelmark gemeldete Bulgare hält sich seit längerem in Deutschland auf. Er ist zweimal verurteilt worden: Die erste Strafe wegen schweren Diebstahls soll er nur teilweise abgesessen, die zweite Strafe wegen Beihilfe zur Geldfälschung nicht angetreten haben. Unklar ist noch, ob er zufällig aus dem Haus trat oder die Polizei aus einem Fenster heraus beobachtet hatte. Auf der Straße erkannte er den Fahnder sofort.

„Das war eigentlich ein Routineeinsatz“, sagte der Leiter der für Fahndung zuständigen LKA-Abteilung 6, Martin Textor. Da der Mann in der zuvor erfolgten Gefährdungsanalyse im LKA als ungefährlich und vermutlich unbewaffnet eingestuft worden war, sollte er von normale LKA-Zivilpolizisten festgenommen werden und nicht durch das Spezialeinsatzkommando. Weitere Beamte seien in der Nähe gewesen, warum bei der Festnahme nicht mindestens zwei Beamte aktiv waren, blieb gestern offen. Der Bulgare soll kein ganz großer Fisch gewesen sein; „aber die Haftbefehle hatten schon einen gewissen Tiefgang“, sagte Polizeidirektor Textor dem Tagesspiegel

In sehr schlechter Erinnerung ist der Polizei die Festnahme eines libanesischen Schwerkriminellen im April diesen Jahres in Neukölln. Als SEK-Beamte in die Wohnung eindrangen, wurden sie sofort beschossen, ein Beamter starb durch einen Kopfschuss. Es war der erste getötete SEK-Beamte.

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