Berlin : Stramm – aber kurz

Wegen der Hitze wurde die Kleiderordnung für das Gelöbnis geändert

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Die Rekruten hielten durch. Nur drei junge Wehrpflichtige machten gestern Abend beim traditionellen Gelöbnis der Bundeswehr wegen der drückenden Hitze schlapp – weniger als in den Vorjahren. Denn erstmals durften die 260 Rekruten bei der Zeremonie ohne Uniformjacke und in kurzen Hemden geloben, „der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“. Wie berichtet, hatte das Verteidigungsministerium kurzfristig entschieden, die Kleiderordnung wegen der Hitze zu lockern.

Offenbar war es auch den Militärgegnern zu warm gewesen. Nachdem vor einer Woche die traditionelle Gegendemo abgesagt worden war, wartete die Polizei gestern auf die angekündigten „spontanen Aktionen“. Doch auch die fielen aus, nur ein einzelner Mann hatte eine Pressluftfanfare in das Sperrgebiet am Bendlerblock geschmuggelt. Über den Appellplatz wehten diese Töne eher wie die eines melancholischen Trompeters, gestört wurde die Zeremonie dadurch nicht. Die Polizei stellte die Personalien des Mannes fest, andere Störungen gab es nicht, nicht einmal den Versuch. In den ersten Jahren des Gelöbnisses hatten sich Militärgegner teilweise pfiffige Aktionen einfallen lassen, um die Zeremonie zu stören. Seit 1999 findet das Gelöbnis traditionell zum Jahrestag des Attentats auf Hitler neben dem Bendlerblock in Tiergarten statt. In den letzten beiden Jahren waren die Polizeisperren und Sicherheitsvorkehrungen derart perfektioniert worden, dass nichts mehr passierte. Auch gestern waren 900 Polizisten im Einsatz, über 100 weniger als in den Vorjahren.

Verteidigungsminister Franz Josef Jung sagte in seiner Ansprache: „Die Opfer des 20. Juli mahnen uns, den Frieden und die Freiheit zu bewahren.“ Zu seinem britischen Amtskollegen Des Browne gewandt, ergänzte er, „Großbritannien steht in diesem Geist an unserer Seite“. Des Browne sagte in seiner Gelöbnisansprache an die deutschen Rekruten – die traditionell von einem ausländischem Staatsgast gehalten wird – „man ist erstaunt, wie sich die Dinge verändert in den letzten Jahrzehnten haben“. Vor 62 Jahren waren wenige Meter vom heutigen Appellplatz entfernt Claus Graf Schenk von Stauffenberg und drei Mitverschwörer standrechtlich erschossen worden.

Bereits am Mittag hatte die Bundesregierung im Bendlerblock der Widerstandskämpfer gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft gedacht. Für die Beteiligten am fehlgeschlagenen Aufstand vom 20. Juli 1944 wurde ein Kranz niedergelegt. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit wies darauf hin, dass die Verschwörer das geistig-moralische Fundament für die heutige Republik gelegt haben – beim Gelöbnis ließ sich Wowereit durch Bürgermeisterin Karin Schubert vertreten.

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