Berlin : Strandbad Wannsee: Auf Sand gebaut

C. v. L.

Bis zum Jahr 2007 - zu seinem 100. Geburtstag - soll das ruinöse Wannseebad komplett saniert sein. Sportsenator Klaus Böger wünscht sich das, auch der Chef der Berliner Bäderbetriebe (BBB), Klaus Lipinsky, schaut auf diesen Termin. Woher aber die 60 bis 65 Millionen Mark kommen sollen, wissen beide nicht. Die Bäderbetriebe wollen noch im Sommer ein Konzept vorstellen, mit dem sie "Sponsoren mobilisieren" und Pächter für Investitionen gewinnen wollen; auch von einem möglichen Ganzjahresbetrieb mit Sauna ist (wieder) die Rede. Der Ausschuss Denkmalschutz und Denkmalpflege der Architektenkammer erwartet dringend Taten. Es sei nach über 20 Jahren Stückwerk-Sanierung höchste Zeit, dass sich die "Entscheider" der Stadt um eines der herausragenden Berliner Baudenkmale der Moderne kümmerten.

"Aber die kommen ja nicht hierher", kritisierten die Architekten des Ausschusses am Montagabend bei einer Ortsbesichtigung. Sie bekamen einen niederschmetternden Eindruck vom baulichen Zustand. Es waren nicht nur die Blicke auf verrostete Stahlgerippe, gesperrte Wandelgänge und vergammelte einstige Umkleidehallen, auf brüchigen Beton und Wasserschäden; es war auch der Eindruck, dass die Bäderbetriebe mit dem Bad hoffnungslos überfordert sind und selbst mit den hergerichteten Hallen nichts Rechtes anzufangen wissen. So viele Umkleidekabinen wie früher werden nicht mehr gebraucht, eine sanierte Halle steht völlig leer. "Wir sind an die Grenze gekommen, an der wir das Bad betreiben können", sagte der BBB-Regionalleiter Jürgen Regitz.

Er wies auf die fehlenden Mittel hin und betonte, dass die Bäderbetriebe das Bad erst 1996 vom Bezirksamt übernommen hätten und für das Sanierungselend, etwa auch den Kauf falscher Steine, nicht verantwortlich gemacht werden könnten. Die Betriebssicherheit sei allerdings gewährleistet, und die Besucher - übrigens zu zwei Dritteln Neuberliner - wollten vor allem, dass die Sonne scheint. Aber das Umfeld des schönen Strandes mit neuer Rutsche und vielen neuen Strandkörben wirkt deprimierend, das Restaurant ist seit letztem Jahr geschlossen, die Parkanlage zum großen Teil verwildert. Ein BVG-Bus kommt auch nicht mehr vorbei. "Das Bad hat keine Lobby", stellte der stellvertretende Ausschussvorsitzende Helmut Zeumer fest. Rainer Pohl vom Landesdenkmalamt gab Plänen für einen möglichen Ganzjahresbetrieb keine Chance. Das Bad sei dafür völlig ungeeignet, die Bau- und Betriebskosten würden sich nicht rechnen. Schon 1979 waren Überlegungen laut geworden, das Wannseebadgelände nicht nur im Sommer zu nutzen, sondern auch eine Schwimmhalle zu errichten. Pohl forderte ein Gesamtkonzept, das auch neue Förderungsmittel erschließt.

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