Strandbad Wannsee : Baden am Biergarten - vor fünf Jahren

Vor fünf Jahren gab es einen neuen Anlauf für die Verpachtung des Strandbades Wannsee: Der neue Pächter sollte auch das verfallene Restaurant Lido wieder aufbauen. Was Klaus Kurpjuweit damals schrieb.

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Nischt wie raus nach Wannsee. Im Strandbad macht das Plantschen bald noch mehr Spaß. Die Anlage soll verpachtet werden und ein Biergarten entstehen. Foto: dpa
Nischt wie raus nach Wannsee. Im Strandbad macht das Plantschen bald noch mehr Spaß. Die Anlage soll verpachtet werden und ein...Foto: picture alliance / dpa

Schwimmen und dann wieder in der Sonne schwitzen – das soll nicht mehr genügen. Im Strandbad Wannsee wird es jedenfalls in Zukunft auch wieder ein kleines Restaurant und einen – größeren – Biergarten geben. Im zweiten Anlauf wollen die Bäderbetriebe jetzt per Ausschreibung einen Pächter für die denkmalgeschützte Anlage suchen. Bedingung: Der Neue muss das verfallene, ehemalige Restaurant Lido südlich der sanierten Gebäuderiegel aufbauen und kann auch den einstigen Biergarten dort wiederbeleben. Interessenten sollen sich bereits gemeldet haben, versichert Matthias Oloew, Sprecher der Bäderbetriebe.

In einem Sommer mit gutem Badewetter verdienen sogar die öffentlichen Bäderbetriebe Geld am Wannsee. Ein nasser oder kühler Sommer dagegen könnte die Bilanz verhageln. Dieses Risiko muss ein neuer Betreiber eingehen. Er kann aber auch durch Einnahmen aus der Gastronomie gut verdienen, was den Bäderbetrieben nicht gestattet ist.

Bei den anderen Freibädern in der Stadt, die meist nach dem Leitsatz „Gastronomie mit angeschlossenem Bad“ arbeiten, scheint das Konzept aufzugehen. Bisher habe noch kein Pächter aufgegeben, sagte Oloew.

Die Bäderbetriebe würden das Strandbad ebenfalls gern weiterbetreiben, doch ihr Aufsichtsrat unter dem Vorsitz von Innensenator Ehrhart Körting (SPD) hat jetzt bekräftigt, dass Gebäude, Sand und Wasser einem Privaten überlassen werden sollen. Anders als Hallenbäder gehöre ein Strandbad nicht zur Daseinsvorsorge, die das Land garantieren müsse.

Dass die erste Ausschreibung 2007/2008 scheiterte, schreckt offenbar nicht ab. Damals hätten sich Interessenten gemeldet, die unter anderem ein Hotel bauen wollten, sagt Oloew. Dies sei in der denkmalgeschützten Anlage jedoch nicht möglich. Jetzt werde eindeutig formuliert, dass baulich nichts geändert werden darf. Das Lido, das wieder aufgebaut werden soll, gehört zum Ensemble.

Ein privater Betreiber kann anders kalkulieren als die Bäderbetriebe. Diese sind schon bei der Zahl der Mitarbeiter an strenge Vorgaben gebunden. Rund ein Dutzend Aufsichten sind nach Oloews Angaben pro Schicht im Einsatz, nach starren Dienstplänen, die keine Rücksicht aufs Wetter nehmen. Ein Privater dagegen kann mit seinem Personal flexibler disponieren – abhängig vom erwarteten Besucherandrang. Bei ganz schlechtem Wetter kann er auch einfach die Tore zu lassen, während die Bäderbetriebe jetzt an kühlen Tagen auch für wenige Hartgesottene öffnen müssen.

Auch für die bauliche Unterhaltung muss ein Pächter in den nächsten Jahren nicht viel aufbringen. Die Gebäude sind von außen bereits aufwendig durch die Stiftung Denkmalschutz saniert worden.

Ein privater Betreiber kann die Öffnungszeiten selbst festlegen und auch die Eintrittspreise bestimmen. Meist orientierten sich die Pächter dabei aber an den Tarifen der Bäderbetriebe in den Sommerbädern, sagt Oloew.

Theoretisch ist auch ein Winterbetrieb möglich: Statt der Badehose werden bei zugefrorener Havel erst die Schlittschuhe eingepackt und statt Bier gibt’s eben Glühwein. Klaus Kurpjuweit

Der Beitrag erscheint in unserer Rubrik "Vor fünf Jahren"

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