Strandbad Wannsee : Das große Bibbern

Start der Badesaison im Strandbad Wannsee: Das Wetter läd kaum zum Baden ein. Deshalb gilt: Wer sich ins Wasser wagt, darf gratis in die Sauna.

Die Enten plustern sich auf, ein kalter Wind reißt an den Fahnen, treibt Schaum über den Wannsee, bläst durch wattierte Jacken. Jetzt schwimmen gehen? Nein danke! Und doch ist es der erste Tag der neuen Badesaison im Strandbad Wannsee, das auch in diesem Jahr traditionell über die Osterfeiertage zum kostenlosen Anbaden einlädt. Rund zweihundert Gäste kamen gestern – allerdings als Spaziergänger, um sich am 1200 Meter langen Sandstrand ein bisschen wie am Meer zu fühlen. Nur Veronika Born, eine Mittfünfzigerin aus Werder, hatte den Badeanzug schon unter die Windjacke gezogen. Punkt 10.20 Uhr stürzte sie sich unter Applaus in den See.

Die Presse war noch nicht da, aber Badchef Axel Ott hat die Stoppuhr gezogen. Sechs Minuten sei die unerschrockene Dame im sechs Grad kalten Wannsee geschwommen, Lufttemperatur: zwei Grad plus. Als Anerkennung überreichte er ihr eine Saunakarte „zum Aufwärmen“, denn das haben die Bäderbetriebe allen unerschrockenen Berlinern versprochen: Die ersten fünf Besucher, die an den Feiertagen jeweils von 10 bis 12 Uhr „bis zu den Schultern ins Wasser gehen“, erhalten eine Saunatageskarte gratis.

Wer wagt sich noch an diese Herausforderung? Selbst Axel Ott, der seit 37 Jahren im Strandbad arbeitet, hat noch niemals ein derart kaltes Osterfest erlebt. Umso mehr hat ihn überrascht, wie viele Gäste gestern kamen. Vom Hügel an den Kassenhäuschen aus genossen sie das Wannsee-Panorama. Dann brachen sie zur Strandwanderung auf, picknickten dick eingemummelt im Strandkorb, schritten durch die 2007 sanierten Wandelgänge und staunten, „wie schön das Bad wieder geworden ist“.

Ingrid Kattner aus Wilmersdorf hat es erstmals vor 68 Jahren besucht. Als Sechsjährige. „Es war eine Völkerwanderung, wenn wir sonntags rausfuhren“, erinnert sie sich. Das Bad hat sie geliebt. „Selbst bei Regen im Strandkorb.“ Doch nun sei es wieder so attraktiv wie einst, findet sie. Auch wegen der sanierten Aussichtsterrassen auf den Wandelgängen. Im Liegestuhl kann man dort im Sommer den Sonnenuntergang erleben. Badchef Ott ist deshalb trotzt Osterkälte optimistisch: „Da werden noch manche ihren Urlaub umbuchen – und lieber bei uns bleiben.“

Währen der Osterfeiertage ist das Strandbad jeweils von 10 bis 17 Uhr gratis geöffnet. Danach bleibt es bis 11. April geschlossen. Anschließend öffnet das Bad bis Ende September werktags, 10–19 Uhr, an den Wochenenden jeweils 8–20 Uhr.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben