Berlin : Strandkörbe für die Stadt

Neue Idee zur Sanierung des Wannsee-Bads, das heute öffnet

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Pünktlich zum heutigen Saisonstart kommt mal wieder ein Vorstoß, der die seit 20 Jahren dahindümpelnde Sanierung des Strandbads Wannsee endlich in Fluss bringen soll. Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf will sich im Rat der Bürgermeister um einen Beschluss zugunsten des Finanzierungskonzepts bemühen, das sich die Stiftung Denkmalschutz für Europas größtes Binnenbad zurechtgelegt hat. Wie berichtet, geht es um überdimensionale Strandkörbe, die an verschiedenen Orten den Sponsoren der Sanierung zur Eigenwerbung dienen sollen.

Die bezirksübergreifende Aufstellung an 50 Stellen, auf meterhohen, mit den Sponsorennamen verzierten Sockeln stadtbildprägend, erscheint angesichts der berlinweiten Popularität des Bades logisch. Gerade hier liegt aber auch das Problem, wie die Stiftung feststellen musste. In der Runde der Baustadträte, wo das Projekt letzte Woche diskutiert wurde, waren je ein Drittel der Teilnehmer dafür, skeptisch oder dagegen, berichtet der Steglitz-Zehlendorfer Stadtrat Uwe Stäglin.

Die Bedenken richten sich gegen die zusätzliche Sondernutzung von Straßenland, wo es nach Ansicht mancher Bezirke schon zu viel Werbung gebe. Gewähre man zusätzliche Flächen, entfielen diese als potenzielle eigene Einnahmequellen. Auch sei noch unklar, ob jeder Bezirk für sich genehmige oder einer, also Steglitz-Zehlendorf, zentral für alle. Stäglin hat noch Hoffnung, im Rat der Bürgermeister Einigung zu erzielen, im besten Falle schon diesen Donnerstag.

Zuständig für die Baugenehmigungen seien die Bezirke, sagte Petra Reetz, Sprecherin des Stadtentwicklungssenators. Steglitz-Zehlendorf sei auf die Solidarität der anderen Bezirke angewiesen. Einige man sich, so habe Senatsbaudirektor Stimmann schon signalisiert, dass man bei der Auswahl geeigneter Orte mithelfen wolle.

Die von der Stiftung Denkmalschutz geäußerten Klagen über den Berliner Ämterdschungel, ihre Sorge auch, mit der Sanierung wohl erst 2004 beginnen zu können, hat auch die Sportverwaltung aufgeschreckt. Er wolle alle Beteiligten „sehr bald“ an den runden Tisch bringen, ließ Senator Klaus Böger mitteilen. Das Projekt unterstütze er voll und ganz, das Bad sei „Aushängeschild für Berlin“.

Ein rostiges freilich. Es ist nicht ohne Ironie, dass die Sanierung von der Stiftung vorangetrieben wird, waren es doch oft Reibungsverluste mit dem (allerdings amtlichen) Denkmalschutz, die die Arbeiten immer wieder verzögerten. So gab es 1991 Ärger mit 340 000 Verblendsteinen, die um Millimeter zu klein waren. Zwar einigte man sich auf größere Fugen, fing an zu mauern, aber die meisten Steine liegen noch immer herum. ac

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