Berlin : Strandparty mit Ballgefühl

Beachvolleyball-Weltmeisterschaft am Schloßplatz lockt Berliner und Touristen

Jeannette Krauth

Vor dem Palast der Republik stehen weiße Zelte, dahinter sieht man schon die große Tribüne. Vor allem hört man sie. Der Moderator ruft: „Wer will die Brasilianer siegen sehen?“, Jubelschreie als Antwort, Popmusik, Klatschen. Es klingt wie eine riesengroße Party, es ist die Weltmeisterschaft der Beachvolleyballer.

Am ersten Tag lockten die Spiele schon 9000 Zuschauer an. Sonnenschein und braun gebrannte Sportler – dabei liegt hier der Strand überm Pflaster. Es spielen die amtierenden Olympiasieger – das sind bei den Männern die Brasilianer Ricardo und Emanuel – und die Zuschauer sind so begeistert, dass sie abends bestimmt Muskelkater vor lauter La-Ola-Wellen haben. So einen Ausblick gibt es nur hier: im Hintergrund der Berliner Dom und auf dem Spielfeld die schönen Männerarme und Frauenpos. Und dabei ist diese Kombination auch noch kostenlos zu sehen.

Den ganzen Tag über, von neun bis 19 Uhr, finden bis Sonntag Wettkämpfe auf sechs Spielfeldern statt. Doch auch wer mittags kommt, findet noch Platz auf der Tribüne des Hauptcourts, so die Organisatoren. Nur am kommenden Wochenende sollte man um zehn da sein, wenn es ein Sitzplatz sein soll. Auch Nicht-Volleyballer werden hier Spaß haben. Sobald der Ball das Feld verlässt, wird die Musik aufgedreht; „Relight my Fire“ tönt beispielsweise über den Platz. Auf ihre Musik verzichten die Volleyballer auch nicht, wenn es nur eine halbe Minute dauert, bis der Spieler den Ball wieder in der Hand hält. Zwischen den Spielen treten die „Canarian Dancers“ auf, sieben leicht bekleidete Frauen und zwei Männer, die wirklich aus Gran Canaria kommen und auch schon für die Olympischen Spiele in Athen gebucht waren.

In der Zeltstadt vor den Courts kann man auf einem elektronischen Bullen reiten, oder sich im Limbo-Dance, dem Tanz unter einer Stange hindurch, üben. Krönung für Volleyball-Fans ist wohl die Station, bei der man seine Aufschlag-Geschwindigkeit messen lassen kann. Wirklich motivierte Fans können sich die Flagge des Lieblingsteams auf die Wange schminken lassen. Das kostet alles gar nichts. Wer will, kann mit Kaffee oder Cola für einen Euro einen wirklich günstigen Ausflugstag verleben.

Brauchen Ohr und Auge eine Pause, kann man sich in den Beachclub zurückziehen. Auf weißen Matratzenlagern unter Palmen sitzt man vor Windlichtern, exklusiv und ebenfalls umsonst. Dazu gibt es dann brasilianisches Fingerfood oder Frucht-Shakes, etwa mit der milchigen Cajú, der Frucht des Cashew-Kerns. Die schmeckt auch leicht nussig mit einem Hauch Birne. Zwei Euro fünfzig kostet einer.

Abends um zehn vor acht ist im Club Interviewstunde, jeden Tag wird ein Spielerteam eingeladen, das sich an diesem Tag besonders tapfer geschlagen hat. Danach läuten zwei Showbarkeeper, die mit Flaschen und Gläsern jonglieren, die Abendparty ein. Bis 22 Uhr, samstags bis 23.30 Uhr, spielen DJ Alex P und DJ Kirk brasilianisch angehauchten Elektro-Sound. Selbst wer bei der Weltmeisterschaft nur einen Cocktail am Rande trinkt, kann sich beinahe als Profi fühlen: Zwischen die Zehen der Fans rieselt Sand mit Original-Center-Court-Körnung: zweimal gewaschen und maximal 0,7 Millimeter groß.

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