Straßenbäume : Grüner wird’s nicht

In den vergangenen fünf Jahren verschwanden in Berlin 10.000 Straßenbäume. Die Ämter pflanzen nicht nach, weil das Geld für die Pflege fehlt.

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Winterruhe. Der Frost schadet den Stadtbäumen nicht. Aber die Finanznot der Ämter setzt ihnen zu: Mal wird „auf Vorrat“ radikal geschnitten, mal ersatzlos gefällt. Foto: dapd
Winterruhe. Der Frost schadet den Stadtbäumen nicht. Aber die Finanznot der Ämter setzt ihnen zu: Mal wird „auf Vorrat“ radikal...Foto: dapd

Berlin - Über Monate hat der Umweltverband BUND das Schicksal der Berliner Straßenbäume ergründet. Jetzt liegt die Diagnose vor: Grüner wird’s nicht – sofern man von Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg absieht. Denn nur in diesen Bezirken sind in den vergangenen fünf Jahren mehr Straßenbäume gepflanzt als gefällt worden. Doch die beiden Ausnahmen gleichen den stadtweiten Schwund längst nicht aus. Insgesamt hat die Stadt seit 2005 fast 10 000 ihrer insgesamt rund 430 000 Straßenbäume verloren. Noch größer ist die Zahl der leeren Baumscheiben an den Straßenrändern – wobei manche davon wegen Platzmangels oder Leitungen im Boden nicht mehr bepflanzt werden sollen.

Seit 2008 hat sich der Trend zumindest in Neukölln wieder ins Plus gewendet. Dafür ist der Schwund in Treptow- Köpenick zuletzt umso größer geworden. Dramatisch ist die Fünfjahresbilanz des BUND für Charlottenburg-Wilmersdorf. Dort wurde nicht einmal mehr jeder vierte gefällte Baum ersetzt. Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) erklärt den Befund zum einen mit dem stressbedingt kürzeren Leben von Innenstadtbäumen, von denen viele auch schon aus der Nachkriegszeit stammten. Hauptproblem sei aber, „dass wir uns keine zusätzlichen Pflanzungen leisten können. Das wird das Straßenbild dauerhaft verändern.“

BUND-Baumschutzreferent Christian Hönig bestätigt, dass auch andere Bezirksämter neue Bäume nicht einmal mehr geschenkt bekommen wollen, weil sie deren anschließende Pflege nicht mehr bezahlen können. Stattdessen werde nur ein „Paket“ aus Baum und dessen Pflege für die ersten Jahre akzeptiert. Aus dem Kontakt mit stadtweit rund 40 Initiativen wisse er aber, dass die Leute lieber gezielt für Bäume spenden als für die Arbeit der Verwaltung. Charlottenburg-Wilmersdorf hatte im Sommer gemeinsam mit Spandau zu einer Spendenaktion aufgerufen. Dabei seien in seinem Bezirk 6000 Euro hereingekommen, sagt Stadtrat Gröhler. Im Gesamtjahr dürften es wohl etwas über 20 000 Euro sein. Das reicht nach gängiger Kalkulation der Bezirke für kaum mehr als 20 Bäume.

Gelöst werden kann das Problem aus Sicht des BUND nur durch ein kurzfristiges Sofortprogramm für 10 000 neue Bäume und langfristig durch eine auskömmliche Finanzierung der Grünflächenämter: Jeder Bezirk brauche im Schnitt rund 430 000 Euro mehr pro Jahr.

Die Stadtentwicklungsverwaltung geht das Thema auf ihre Weise an: Nach Auskunft von Sprecherin Petra Rohland wird zurzeit an einem Strategiepapier „Stadtlandschaft Berlin“ gearbeitet. Dabei gehe es vor allem um die urbane Planung in Zeiten des Klimawandels – mit viel Grün.

Das gute Abschneiden von Mitte ist nach Erkenntnissen des BUND neben der dortigen Prioritätensetzung auch dem Promi-Faktor der City zu verdanken. Der zeige sich sowohl an der noch passablen Ausstattung des Grünflächenamtes als auch am Interesse von Großspendern: „Unter den Linden bekäme man sofort einen Wald zusammen“, heißt es. „Aber für die Außenbezirke interessieren sich nur Firmen, die dort sitzen.“ Stefan Jacobs

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