Berlin : Straßenbau: In Wedding entsteht ein kurioser Verkehrsknotenpunkt

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Es wäre den Bewohnern des Hauses Tegeler Straße 7 früher wohl nicht im Traum eingefallen, dass sie einmal an der längsten Eisenbahnbrücke der Stadt wohnen werden. Nun steht ihr Haus direkt am Rohbau des "Overfly", der neuen, auf Stelzen verlaufenden Verbindung zwischen nördlichem S-Bahnring und Lehrter Bahnhof über den Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal. Wenn der Zentralbahnhof 2006 in Betrieb geht, rauschen wenige Meter vor den Fenstern Intercitys vorbei.

Derzeit beginnen die Planungen für ein weiteres Kuriosum an derselben Stelle: Für die geplante S-Bahnlinie 21, die ebenfalls vom Nordring zum Lehrter Bahnhof führt, soll eine zusätzliche Anbindung über die Tegeler Straße und den Kanal entstehen. Die Trasse dafür könne nur so gebaut werden, dass die die Fahrbahn "eben auf Straßenhöhe" gekreuzt wird, sagt Michael Baufeld von der DB-Projekt-Verkehrsbau GmbH. Die Gleise schneiden die Straße ab.

Gar nicht schlecht findet das die SPD-Mitte. Ein "Einfallstor in den Sprengelkiez" wäre dann zu, sagt der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Fraktion Mitte, Boris Schymetzko. Die Lebensqualität in der Gegend um den Sparrplatz sei ohnehin relativ schlecht. Eine Verkehrsberuhigung käme da gerade recht. Die SPD will sich in der Bezirksverordnetenversammlung dafür einsetzen, dass keine Ausweichroute entsteht.

Die Sozialdemokraten sind gegen Pläne, die Tegeler Straße an der Stelle entweder zu verschieben oder das Nordufer wieder durchgängig von der Fennstraße bis zur Seestraße zu öffnen. Die letzte Variante würde eine Grünanlage am Mettmann-Platz vom Ufer trennen. Schymetzko befürchtet, dass ein neuer Schleichweg durch den Kiez entsteht. Er würde voraussichtlich von vielen Autofahrern genutzt, die aus dem Tiergartentunnel an der Heidestraße kommen.

"Die Diskussion kann erst geführt werden, wenn die Planung abgeschlossen ist", sagt Planer Michael Baufeld. Technisch sei der Zubringer, über den S-Bahnen von Wedding zum Lehrter Bahnhof rollen, sehr kompliziert. Er soll den über 300 Meter langen "Overfly" unterqueren und dann wie dieser über den Kanal und die Perleberger Brücke führen. "Wie eine Achterbahn." Das Planfeststellungsverfahren für die S 21 soll Ende des Jahres beginnen. Das ermöglicht dem Bezirk, und damit auch der BVV, Einwände vorzutragen.

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