Berlin : Straßenkinder zieht es nach Berlin

Senat: Die meisten kommen von außerhalb

Sigrid Kneist

Rund 1800 Minderjährige leben nach Schätzungen des Senats in Berlin überwiegend auf der Straße. Wie Bildungssenator Jürgen Zöllner auf eine mündliche Anfrage der CDU mitteilte, handelt es sich dabei vor allem um Jugendliche über 14 Jahre; Kinder sind es eher selten. Knapp zwei Drittel von ihnen kommen aus anderen Bundesländern; zehn Prozent aus dem Ausland. Als Gründe nennt Zöllner unter anderem schwierige Familienverhältnisse bis hin zu Vernachlässigung, Misshandlung oder Missbrauch. Manchmal liege keine existenzielle Notlage vor; es könne sich auch um eine extreme Form eines Ablösungsprozesses von Zuhause handeln. Das Kinderhilfswerk Terre des Hommes hatte Anfang des Jahres von bundesweit 7000 Straßenkindern gesprochen. Nach Angaben von Zöllners Sprecher Kenneth Frisse hat ein Teil dieser „Straßenkinder“ durchaus noch ein Zuhause, geht vielleicht sogar zur Schule, hat aber dennoch den Lebensmittelpunkt auf der Straße. Diese Einschätzung teilt auch Ann Jeanette Rupp von der Treberhilfe.

Der Verein Karuna hat im vergangenen Jahr nach Angaben von Projektleiter Mark Lehmann in Berlin etwa 400 Jugendliche und junge Erwachsene auf der Straße betreut. Den Anteil der Jugendlichen beziffert Mark Lehmann auf 20 bis 30 Prozent – Tendenz steigend. Als Ursache macht er auch wachsende Verwahrlosungstendenzen in den Familien aus. Kinder seien es nur selten; diese werden zum Kindernotdienst gebracht. Für Jugendliche gebe es andere Angebote, beispielsweise das betreute Wohnen.

Markus Seidel vom Kinderhilfswerk „Off Road Kids“, das unter anderem Streetwork-Projekte in Berlin, Dortmund, Köln und Hamburg betreibt, geht davon aus, dass es bundesweit im Jahr rund 300 Minderjährige gibt, die dauerhaft auf der Straße leben; in Berlin seien es ungefähr 100. „Off Road Kids“ habe im vergangenen Jahr 180 Minderjährige von der Straße geholt. Die Zahl derer, die vorübergehend ohne Obdach seien, liegt nach Seidels Angaben bundesweit bei bis zu 2500. Für besonders problematisch hält Seidel besonders die Situation von jungen Erwachsenen. Da viele Kommunen kein Geld mehr hätten, fielen Heranwachsende direkt mit ihrer Volljährigkeit aus der Betreuung heraus.

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