Berlin : Straßenkreuzer auf zwei Rädern

Mit diesem Gefährt fällt man auf: Immer mehr Beachcruiser rollen durch Berlin. Morgen gibt es eine Parade

Dirk Engelhardt

An ihnen ist einfach alles voluminös: Angefangen bei den Reifen, den „fat tires“, über den dick gepolsterten und gefederten Sattel bis zum Lenker, der eine typische Harley-Form aufweist. Ähnlich wie eine Harley, allerdings mit Muskelkraft betrieben, fahren sich die Beachcruiser auch. Am Sonntag gibt es eine große Parade für Freunde dieser Gefährte, die immer öfter im Straßenbild erscheinen.

Dabei wurden die ersten Beachcruiser bereits in den 50er Jahren in den USA gebaut. Die damaligen Hersteller waren darauf bedacht, ein besonders komfortables Fahrrad zu bauen. So musste das Oberrohr des Rahmens zum Beispiel weitaus kürzer ausfallen als bei herkömmlichen Rädern, um eine aufrechte Sitzposition erreichen zu können. Die extra großvolumigen Reifen sind nicht etwa wegen des coolen Aussehens da. Vielmehr kommt man mit ihnen auch auf sandigem Untergrund, etwa am Strand, besser voran und bleibt nicht so schnell stecken. So war dann auch schnell der Begriff Beachcruiser geboren. Im Gegensatz zu herkömmlichen Rädern sind die Strandkreuzer nicht auf hohe Geschwindigkeiten oder lange Strecken ausgelegt. Ein Cruiser hat in der Normalversion auch keine Gangschaltung. Wer einen Beachcruiser fährt, will sich auch im Alltag wie im Urlaub fühlen. Aufs Tempo kommt es nicht an. Etwas lockerer nehmen es auch die Hersteller, die ihre Fahrräder nicht so ausstatten, dass sie der deutschen Straßenverkehrsordnung entsprechen. Die Gefärhte kommen aus den Vereinigten Staaten, und dort sind die Gesetze, was die Ausrüstung von Fahrrädern betrifft, etwas laxer. So muss man als Besitzer eines Straßenkreuzers auf Ballonreifen in den meisten Fällen noch Licht und Reflektoren nachrüsten, oft auch Schutzbleche. Wohltönende Klingeln sind dagegen serienmäßig eingebaut.

Beim Cruiser-Fachhandel „Cruise and Style“ in Friedrichshain freut man sich über verstärkte Nachfrage nach den Rädern. Die billigsten kosten dort 229 Euro, die Preise gehen bis 2200 Euro. Dieses Modell hat handgefertigte Felgen mit jeweils 324 Speichen, alleine die Räder kosten 1000 Euro. Ladeninhaber Andreas Schöps schwärmt von Verkaufszahlen, die sich innerhalb von zweieinhalb Jahren Zeit verdoppelt haben. Schöps hat die Parade am Sonntag organisiert und erwartet mindestens 150 Mitcruiser.

Bei der Radmanufaktur Hawk Bikes gibt es außer den klassischen Beachcruisern mit einer Radgröße von 26 Zoll auch eine 28er-Variante. Das macht die Räder auch für sportlichere Fahrer, die Wert auf Design legen, interessant. Für Tretfaule bietet die Firma sogar einen akkubetriebenen Hilfsmotor an, der das Rad auf Tempo 25 bringt – ohne Helm, Führerschein oder Versicherungskennzeichen. Treten muss man zwar immer noch – aber der Motor liefert konstanten „Rückenwind“.

Cruiser-Parade, Sonntag, 20. August, um 12 Uhr Abfahrt Ostbahnhof

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben