Straßennamen in Berlin : Jeder Bezirk regelt die Namensfrage anders

Günter Pfitzmann bekommt keinen Weg in Berlin-Schöneberg: Hier werden Straßen nur noch nach Frauen benannt. Der Bezirk ist damit nicht allein. Doch die Ämter in Berlin handeln bei den Umbenennungen unterschiedlich. Eine Umfrage, Bezirk für Bezirk.

Rainer W. During
Schildbürger. Pankows Stadtrat Jens-Holger Kirchner im Schilderlager. Ein neues kam jüngst hinzu – mit einem männlichen Namen: Tino Schwierzina, Ost-Berlins letzter Oberbürgermeister.
Schildbürger. Pankows Stadtrat Jens-Holger Kirchner im Schilderlager. Ein neues kam jüngst hinzu – mit einem männlichen Namen:...Foto: Georg Moritz

Am Anfang stand ein Wunsch: In Schöneberg soll ein Weg den Namen des Schauspielers Günter Pfitzmann tragen. Schließlich hat der ja in der Fernsehserie „Praxis Bülowbogen“ als Dr. Brockmann praktiziert, und zwar von 1987 bis 1996. Nun, bekanntlich ist das alles nicht so einfach, weil es schließlich die Frauenquote bei den Straßenschildern gibt. Interesse an einer Pfitzmann-Straße zeigt auch die Vorsitzende des Kulturausschusses in Pfitzmanns einstigem Wohnbezirk Steglitz-Zehlendorf, Jeannine Perduss (CDU), zumal der 2003 Verstorbene auf dem dortigen Waldfriedhof begraben liegt.

Generell gilt: Nach dem Berliner Straßengesetz sind Namensgebungen frühestens fünf Jahre nach dem Tod der jeweiligen Person möglich. In den Ausführungsbestimmungen von 2011 heißt es: „Frauen sollen verstärkt Berücksichtigung finden.“ Allerdings werden auch Einschränkungen gemacht: „Dies gilt nicht, wenn ein gesamtstädtisches Interesse beziehungsweise Hauptstadtbelange an der Benennung einer männlichen Person bestehen.“

Knapp 10.000 Straßen gibt es in Berlin. Wie ist das Verhältnis? Wie ist die Vorgehensweise? Und wo gibt’s Streit? Eine Umfrage, Bezirk für Bezirk.

CHARLOTTENBURG-WILMERSDORF

90 Prozent der nach Personen benannten Straßen tragen männliche Namen, schätzt Stadtentwicklungs-Stadtrat Marc Schulte (SPD). Bereits seit 2001 gilt der Beschluss der Bezirksverordneten, Straßen und Plätze nach „Frauen und Personen zu benennen, die im Widerstand gegen den Nationalsozialismus standen, die durch Zivilcourage gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus in der jüngeren Vergangenheit in Erscheinung getreten sind oder die Opfer rechtsextremer oder rassistischer Gewalt geworden sind“.

Erst kürzlich wurde der Platz vor dem S-Bahnhof Heerstraße nach der vor den Nazis nach Südafrika emigrierten Speerwerferin Martha Jacob benannt. Es gibt aber auch Ausnahmen. So wird gegenwärtig nach einem Platz gesucht, der zum 30-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft den Namen der israelischen Stadt Karmiel erhalten soll.

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FRIEDRICHSHAIN-KREUZBERG

Männernamen kommen wohl auch hier nicht mehr so schnell aufs Straßenschild. Es sieht nämlich so aus: 140 Straßen und Plätze tragen die Namen von Männern – und nur 17 sind nach Frauen benannt. Das hat Stadtrat Hans Panhoff (B90/Grüne) in diesem Jahr mal nachgerechnet. Bereits seit 2005 gibt es einen Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung, in dem es heißt: Bei Neu- und eventuellen Umbenennungen von Straßen werden solange nur in Ausnahmefällen keine Namen von Frauen verwendet, bis mindestens 50 Prozent aller nach Personen benannten Friedrichshain-Kreuzberger Straßen nach Frauen benannt sind. Zuletzt gab es in Kreuzberg Ärger um den Namen des Platzes vor dem Jüdischen Museum, er heißt nun Fromet- und Moses-Mendelssohn-Platz.

Nur in Ausnahmefällen wird darauf verzichtet. Die Prüfung von Vorschlägen für neue Gedenktafeln und Straßennamen obliegt der Gedenktafelkommission als einem ständig das Bezirksamt und die BVV beratenden Gremium. Erst kürzlich beschlossen die Bezirksverordneten, die Mitgliedschaft um einen Vertreter des Forums Erinnerungslandschaft Friedrichshain zu erweitern.

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LICHTENBERG

In Lichtenberg fehlt dem Bezirksamt ein Überblick über die Zahl der nach Männern oder Frauen benannten Straßen. Über die Benennungen befindet der Kulturausschuss der Bezirksverordnetenversammlung, sagt Stadtrat Wilfried Nünthel (CDU). Eine Frauenquote für Neubenennungen gibt es ebenso wenig wie strittige Benennungspläne, so der Dezernent.

MARZAHN-HELLERSDORF

Angaben zur Zahl der „männlichen“ und „weiblichen“ Straßen liegen nicht vor. Auf Antrag der Grünen hat die BVV einen Beschluss gefasst, mit dem das Bezirksamt ersucht wird, „bei neuen Straßenbenennungen und -umbenennungen mit Personennamen zunächst nur nach Frauen zu benennen, bis ein Ausgleich bei weiblichen und männlichen Persönlichkeiten annähernd erreicht ist“. Derzeit gibt es nur Planungen für Neubenennungen bei Privatstraßen, so Stadtentwicklungs-Stadtrat Christian Gräff (CDU). Streitfälle gibt es nicht.

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