Berlin : Straßensanierung: Beyschlagtunnel zu - Ruppiner Chaussee auf?

Bernd Matthies

Der Berliner Nordwesten steht, verkehrstechnisch gesehen, erneut vor einem heißen Sommer. In diesem Jahr muss die Autobahn im Tegeler Beyschlagtunnel in südlicher Richtung saniert werden - doch gegenwärtig ist noch ungeklärt, ob der Verkehr während der Bauarbeiten wenigstens auf einer Spur weiterlaufen kann, oder ob er komplett durch die Heiligenseer Wohngebiete geleitet werden muss. Sicher ist bislang lediglich, dass die Mittel in der Investitionsplanung von Bund und Land vorhanden sind, und dass die Arbeiten bis zum Herbst abgeschlossen sein müssen.

Reinickendorfs Baustadtrat Michael Wegner favorisiert eine Lösung, in der Zündstoff steckt: Er möchte die entwidmete, also nicht mehr als Straße geltende, Ruppiner Chaussee zwischen Schulzendorfer Straße und Karolinenstraße für die vier- bis fünfmonatige Bauzeit öffnen und den Fernverkehr so parallel zur Autobahn bis zur Anschlussstelle Waidmannsluster Damm leiten (auf unserer Skizze Umfahrung 1). Der Vorteil dieser Lösung: Die Strecke ist kaum länger als die Autobahn, und es sind nur relativ wenige Anwohner direkt betroffen. Doch auch die Gegenargumente wiegen schwer. Erstens: Eine entwidmete Straße darf grundsätzlich nicht für den regulären Straßenverkehr genutzt werden. Zweitens: Die Ruppiner Chaussee ist in ihrem südlichen Teil stark beschädigt und wäre Monate langer Dauerbelastung nicht gewachsen. Drittens: Radler wären in dieser Zeit stark gefährdet, weil der Radweg bei der Entwidmung in den 80er Jahren zurückgebaut wurde - ein Schildbürgerstreich, der sich jetzt rächen könnte. Und viertens: Der Bus der Linie 124, der die Strecke gegenwärtig als einziges Verkehrsmittel nutzen darf, würde im Dauerstau stecken bleiben.

Der Sprecher des Heiligenseer Kiezrats, Joachim Schwartzkopf, hat unter Berufung auf diese Argumente bereits beim Bezirksamt protestiert. Doch der Baustadtrat meint, eine Güterabwägung könne dennoch nur zur provisorischen Freigabe der Ruppiner Chaussee führen. Die Fahrbahn müsse lediglich vorher für etwa eine halbe Million Mark hergerichtet werden, "und das kommt dann später ja auch den Radfahrern und den Bussen zugute". Als Alternative zum Bus gibt es die S-Bahn, die im 20-Minuten-Abstand parallel nach Tegel fährt.

Die Bauverwaltung scheint dagegen zur Zeit eine andere Lösung zu favorisieren, die auf eine nur halbseitige Sperrung des Autobahntunnels hinausläuft. Ursprünglich hieß es, dies sei wegen der geringen Tunnelbreite nicht möglich - doch es wird noch einmal geprüft. Wegner hält indessen wenig davon: Er meint, auch eine einspurige Autobahn verursache einen Stau mit erheblichem Ausweichverkehr, der Frohnau und Heiligensee stark belasten würde. Freilich ist abzusehen, dass dies auch bei Freigabe der Ruppiner Chaussee kaum zu verhindern wäre.

Eine dritte Lösung, die zunächst im Gespräch war, scheint nach einer Intervention des Bezirks nicht mehr ernsthaft erwogen zu werden: die Umleitung des Verkehrs über Schulzendorfer Straße, Dachsbau und Heiligenseestraße zum Waidmannsluster Damm (Umfahrung 2 auf der Skizze). Dies würde die Wohngegend extrem belasten und wäre schon wegen des schlechten Zustands der kopfsteingepflasterten Schulzendorfer Straße kaum zu realisieren. Etwas besser geeignet ist die Ausweichstrecke über Ruppiner Chaussee (Nord), Heiligenseestraße, die gegenwärtig als "offizielle" Autobahn-Umleitung ausgeschildert ist. Doch auch das scheint keine Lösung zu sein, da der Verkehr dann Monate lang ganz Heiligensee auf einem Umweg von mehreren Kilometern umrunden müsste. Auch das werden sich die Anwohner kaum gefallen lassen. Egal, welche Lösung am Ende tatsächlich realisiert wird: Für den Fernverkehr von Rostock und Hamburg nach Berlin wird es sehr eng im kommenden Sommer.

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