Straßenschäden : Berlin sackt ab

Durch den starken Regen sind viele Straßen unterspült worden. Krater und Hohlräume tun sich auf - die Kanalisation ist überfordert.

Christian van Lessen
Baustelle
Durch den Regen wurde Am Engeldamm Ecke Köpenicker Straße die Fahrbahn unterspült. -Foto: Kleist-Heinrich

Überflutete Straßen – die Bilder vom letzten Wochenende könnten sich heute wiederholen, wenn der erwartete große Regen auf die Stadt niedergeht. Gefährlicher als die Flut auf den Straßen scheinen die Gefahren unter den Fahrbahnen zu sein. Erst am Montag tat sich vor Autofahrern ein großes Loch an der Köpenicker Straße in Mitte auf, ein schwerer Unfall konnte noch vermieden werden. Abgesackter Asphalt, metergroße Hohlräume, wie sie sich am Dienstag beispielsweise auch am Mehringdamm Ecke Kreuzbergstraße zeigten, belegen, wie unterhöhlt Berlin ist. Überall kann der Boden aufbrechen – während oder nach Regenfällen.

Michael Proll vom Tiefbauamt Mitte bestätigt, dass die immer kräftigeren Unwetter und Regenfälle eine Gefahr für die Unterwelt der Straßen sind. Unvermutete Hohlräume seien „Zeitbomben. Das Rohrsystem ist alt und wird stark belastet“. An der Köpenicker Straße war es eine große Entwässerungsleitung, die den aus Gullys flutenden Regenmengen nicht mehr standhielt und undicht wurde. Bei nachlassendem Druck sackte von außen Erdreich ins Rohrsystem, verursachte unter der Straße in Höhe Engeldamm einen Hohlraum. Das komme immer häufiger vor, sagt Proll. Deshalb prüften die Wasserbetriebe mit Kameras das Rohrsystem.

Am vergangenen Wochenende sind in einigen Stadtteilen nahezu 60 Liter Regen auf den Quadratmeter gefallen – eine Menge, für die auch nach Ansicht des Straßenbauexperten Helmut Lessing das Regen-Entwässerungssystem „nicht dimensioniert“ ist. Dem stimmt auch Stephan Natz von den Wasserbetrieben Berlin zu. Man könne dagegen nur wenig tun wenn Berlin kein Geld in die Erweiterung der Regenwasserkanalisation stecke. Petra Rohland von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung kontert, ein Großteil der Unterspülungen hänge mit den Wasserbetrieben zusammen. Es gehe nicht nur um die Regenentwässerung, für die Berlin zuständig sei, sondern um alle brüchigen Wasserleitungen. Nicht umsonst seien die Wasserbetriebe auf so vielen Baustellen tätig. Helmut Lessing, Geschäftsführer der Straßenbaufirma Stratief, bestätigt, dass es unter den Straßen immer wieder gefährliche Hohlräume gibt und der Regen sie oft nur indirekt verursacht. Das von den Straßen ablaufende Wasser könne aber vorhandene Schäden unter der Erde beschleunigen. Wenn etwa eine Wasserleitung defekt ist, sich das auslaufende Wasser seinen Weg durchs Erdreich bahnt, Erde mitnimmt. So bildeten sich Hohlräume und Krater, die Straße breche ein. Starke Regenfälle wie vom vergangenen Wochenende brächten aber immerhin unterirdische Schäden an die Oberfläche. Auch der überwiegend sandige Berliner Untergrund könne die Bildung von Hohlräumen erleichtern. Die Wasserbetriebe nennen einen weiteren Grund. Gerade in Vororten gingen Gefahren für das Kanalsystem auch von Straßenbäumen aus. „Die Birken sind wie Dynamit“, sagt Sprecher Stephan Natz. Ihre Wurzeln könnten in kleinste Risse eindringen und große Rohrbrüche verursachen.

Eine stadtweite Statistik über die Straßenunterspülungen gibt es in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung nicht. Größere Krater wurden vor einem Jahr an der Potsdamer Straße in Mitte geschlossen, auch in Lichtenberg. In Berlin versanken auch schon zwei Autos in großen Straßenlöchern. Die Stadtautobahn am Funkturm war vor drei Jahren wegen eines Kraters tagelang gesperrt. Tragisch ging 1994 das Verschwinden eines Münchener Linienbusses im Krater einer unterspülten Straße aus. Dabei starben drei Menschen, 30 wurden verletzt.

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