Straßensperrungen wegen Filmaufnahmen : Tom Cruise legt Leipziger Straße lahm

Nun sind sie also doch an historischem Ort: Die Filmcrew von "Valkyrie" dreht an diesem Wochenende mit Tom Cruise im Bundesfinanzministerium. Autofahrer in der Wilhelm- und Leipziger Straße haben das Nachsehen.

Ralf Schönball

Dabei sprach sich die CDU-Berichterstatterin für Sekten im Bundestag, Antje Blumenthal, erneut gegen eine Drehgenehmigung für den bekennenden Scientologen Tom Cruise aus und weiß Parteifreunde wie Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) hinter sich. Blumenthals Begründung: Wer vom Staatsschutz beobachtet wird, wie Scientology in Deutschland, dürfte die Dienstsitze der Regierung nicht nutzen, die diese Organisation ja nach eigenen Aussagen bekämpft.

„Politisch kann man nicht nachvollziehen, dass das Cruise-Team in einem Ministerium dreht“, sagte Antje Blumenthal, „wenn Scientology einen Antrag gestellt hätte, wäre der mit Sicherheit nicht genehmigt worden.“ Der Schauspieler sei eng mit der umstrittenen Organisation verbandelt, für die Cruise auch bei Filmpremieren die Werbetrommel rühre. Blumenthal forderte deshalb eine „einheitliche Regelung“ für die Nutzung von Ministerien in solchen Fällen. Cruise selbst wird an diesem Wochenende allerdings ohnehin nicht am Set erscheinen.

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Verwehrt blieben Cruise und seinem Team Dreharbeiten im Bendlerblock. Dort hatten die Männer um Stauffenberg das Attentat auf Hitler geplant und dort wurden sie später auch von den Nazis hingerichtet. Begründet wurde die Ablehnung damit, dass die „Würde des Ortes“ gestört werde. Denn der Block wäre für die Aufnahmen umgekrempelt worden: Türen und Schilder, Leuchten und Telefone sowie große Teile der Inneneinrichtung. Nun wurden die Innenräume des Bendlerblocks in Babelsberg nachgebaut. Offen ist noch, ob der Hof für dokumentarische Aufnahmen zugänglich wird, die im Nachspann des Filmes zu sehen sein könnten. Dafür hatte sich Finanzminister Peer Steinbrück ausgesprochen, die Entscheidung darüber aber dem Hausherren, Verteidigungsminister Jung, überlassen.

Beim Bundesfinanzministerium behandelt man den Fall pragmatisch: „Wir legen vor allem einen Maßstab an: Ob die eigentliche Nutzung als Ministerium beeinträchtig wird“, sagte Sprecher Stefan Olbermann. Das frühere Gebäude des Reichsluftfahrtministeriums, Dienstsitz von Hermann Göring, diene oft als Kulisse. Bisher habe man sich „mit fast jedem Produzententeam geeinigt“. Zuletzt hatte Dani Levy dort den Film „Mein Führer“ gedreht.

Für den Stauffenberg-Film soll auch im großen Ballsaal gedreht werden, dem Veranstaltungsraum des Finanzministeriums. Außerdem sind viele Außenaufnahmen vorgesehen. Tag und Nacht wird ab Sonnabend 0 Uhr gedreht, bis Montag 5 Uhr. Dabei wird das Umfeld des Ministeriums wie in einer Zeitmaschine in die vierziger Jahre zurückversetzt: Sogar die Beleuchtung und die Ampeln werden dazu abgebaut.

Entsprechend weitflächig sind die Sperrungen: Die Wilhelmstraße wird im Norden bis zur tschechischen Botschaft dicht gemacht, im Süden bis zur Kochstraße. Die Leipziger Straße wird vom Potsdamer Platz bis zur Mauerstraße nicht passierbar sein. Eine Umfahrung führt über Voß- und Mohrenstraße im Norden, Glinkastraße und Mauerstraße im Osten, Anhalterstraße und Kochstraße im Süden und Stresemann- und Ebertstraße im Westen. Ralf Schönball

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