Straßenverkehr : Immer mehr Verkehrsunfälle in Berlin

Zahl der Verletzten im Straßenverkehr nimmt wieder zu. Der Senat plant mehr Kontrollen und Tempolimits Präventionsprogramm für mehr Sicherheit. Doch der Stadt fehlt es an Einsatzkräften.

Jörn Hasselmann

Der Senat wird sein Ziel, die Zahl der Verkehrsunfälle deutlich zu senken, nicht erreichen. 2004 hatte das Land Berlin angekündigt, bis 2010 die Zahl der getöteten und schwer verletzten Personen um 30 Prozent zu reduzieren. „Es ist uns nicht gelungen, die Zahl der Unfälle und der Verletzten zu verringern“, sagte der für Straßenverkehr zuständige Abteilungsleiter Friedemann Kunst gestern. Nach Polizeiangaben ist die Zahl der Unfälle von 2004 bis 2007 lediglich um 0,1 Prozent auf 125 000 gesunken. Die Zahl der Schwerverletzten ist um zwei Prozent auf 1875 gestiegen, die Zahl der Leichtverletzten um fünf Prozent auf 15 680. Verkehrssenatorin Ingeborg Junge- Reyer (SPD) betonte gestern, dass die Zahl der Verkehrstoten gesunken ist. 2007 waren es 56 Tote, 2004 noch 71 Tote. Doch die insgesamt sehr niedrige Zahl der Toten hänge von vielen Zufällen ab und sei deshalb wenig aussagekräftig, heißt es bei der Polizei. So hatte es 2001 auch „nur“ 65 Tote gegeben.

Um doch noch das ehrgeizige Ziel zu erreichen, hat die Senatorin gestern einen 17-Punkte-Katalog zur Verbesserung der Sicherheit vorgestellt. Wie gestern berichtet, soll schon ab September vor allen Grundschulen Tempo 30 gelten. An 73 Schulen werden in den Sommerferien die Tempo-30-Schilder montiert. Im kommenden Jahr soll auch vor allen Oberschulen, die an Hauptverkehrsstraßen liegen, das Tempo von 50 auf 30 gesenkt werden. Obwohl ältere Menschen ebenfalls zu den schwächsten Verkehrsteilnehmern gehören, wird es kein Tempo 30 vor Seniorenheimen geben, sagte Junge-Reyer.

Wenn Straßen saniert werden, sollen künftig acht speziell ausgebildete Experten („Auditoren“) die Pläne unter dem Gesichtspunkt der Sicherheit noch einmal überprüfen. Doch bislang kamen diese Auditoren nur bei sieben Projekten zum Einsatz. Der Fahrradbeauftragte des Senats, Benno Koch, verwies auf die Joachimstaler Straße. Diese wurde gerade mit hohem Aufwand neu asphaltiert – sichere Spuren für Radfahrer wurden dennoch nicht eingerichtet. Nach Angaben der Senatorin werden in diesem Jahr in zehn Straßen 17 Kilometer neue Radspuren markiert – auch sie gehören zum 17-Punkte-Katalog. 1,5 Millionen Euro stehen künftig jährlich zur Verfügung, um vor allem Präventionskurse und „Mobilitätserziehung“ an Schulen zu finanzieren. Für eine Million Euro sollen in diesem Jahr Zebrastreifen und Mittelinseln angelegt werden.

Die Senatorin kündigte zudem mehr Tempokontrollen in der Stadt an. Denn dass die Ziele bislang nicht erreicht wurden, liege an der „nachlassenden Verkehrsdisziplin“, wie es gestern hieß. Bei Messungen in Tempo-30-Zonen sei das Ergebnis erschreckend gewesen. Doch wie berichtet, fehlt der Polizei das Personal. In den letzten Jahren schwankte die Zahl der Einsätze zur Tempoüberwachung zwischen 20 000 und 24 000.

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