Berlin : Strategien gegen Mobbing sollen auf den Lehrplan

Krisentreffen bei Zöllner zu Website „Isharegossip“

Hadija Haruna / Werner van Bebber
Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Beleidigung, Bedrohung, eine Schlägerei und mehrere, angedrohte Amokläufe: Um den weiteren Umgang mit der Mobbingplattform „Isharegossip" und die aktuelle Situation an den Schulen zu beraten, lud Bildungssenator Jürgen Zöllner am Mittwoch Schulpsychologen, Polizeivertreter, Schulleiter und Schülersprecher zu einer Art Krisensitzung ein.

„Es wurde besprochen, welche Präventionsangebote genutzt werden und ob das Angebot ausreichend ist“, sagte Beate Stoffers, Sprecherin der Bildungsverwaltung. Zusammenfassend seien die Teilnehmer des Fachgesprächs übereingekommen, dass das Wissen und die Medienkompetenz der Schülerschaft stärker aktiviert und genutzt werden müsse. Wirkungsvoll sei beispielsweise die Einrichtungen von Krisenteams an den Schulen, die schon im Vorfeld aktiv werden sollten. „Es geht um das respektvolle Miteinander im Schulalltag“, sagt Stoffers.

Auch Michael Retzlaff, Referatsleiter für Medienbildung am Landesinstitut für Schule und Medien (Lisum) Berlin-Brandenburg, plädierte bei dem Treffen dafür, die Schüler als so genannte „Medienscouts“ mehr in die Verantwortung zu nehmen. Zudem forderte er erneut, das Thema Medienbildung verpflichtend in die Aus- und Weiterbildung der Lehrer aufzunehmen. „Eine erste Maßnahme wäre es, ab dem nächsten Schuljahr Medienberater in das System der regionalen Fortbildung von Berlin einzugliedern." Ähnliche Berater gibt es auch für Fächer wie Deutsch oder Mathe.

In Brandenburg sind die Medienberater schon lange aktiv. Sie verfügen über entsprechende Materialien und Kontakte und unterstützen Schulen beispielsweise dabei, einen Projekttag zum Thema Cybermobbing umzusetzen. Doch in Berlin sind die Lehrkräfte laut dem „eEducation Masterplan“ auf sich allein gestellt. Hinzu kommt die Tatsache, dass in Berlin zwar für Schulen verschiedene Projekte im Bereich der Medienbildung angeboten werden, viele Schulen davon aber nichts wissen.

Beim Fachgespräch sei festgestellt worden, dass es genügend Angebote gebe, aber die meiste Arbeit an der Schule geschehen müsse, sagte Stoffers. „Dabei braucht jede Schule oftmals einen individuellen Lösungsansatz.“ In einem Kooperationsprojekt mit der Techniker Krankenkasse „Mobbingfreie Schule“ sollen Berliner Schulen ab dem nächsten Schuljahr unterstützt werden. Hierbei handelt es sich unter anderem um eine Projektwoche für die siebten Klassen, die je einen von 1500 „Mobbingkoffern“ mit Lehrmaterialien erhalten. Außerdem sollen Lehrer fortgebildet werden und anschließend als Multiplikatoren in ihrer Schule wirken. Laut Senat sei das Projekt nach der Pilotphase an zwölf Hamburger Schulen evaluiert worden und habe vor allem bei den Faktoren „Aggression“ und „Diskriminierung“ positive Effekte gezeigt.

Der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix hält das Aufklärungsangebot des Senats für „nicht ausreichend“. Immerhin habe die Landesregierung erkannt, wie wichtig die Stärkung der Medienkompetenz der Schüler sei. Dix hatte in der Diskussion um „Isharegossip“ die Öffentlichkeit erstaunt, weil er zugegeben hatte, die Seite nicht zu kennen. Am Mittwoch sagte er dazu, dass es ihm nicht möglich sei, alle kriminellen Inhalte des Netzes zeitnah zu kennen. Auf Antrag der CDU beschäftigt sich heute die „Aktuelle Stunde“ im Abgeordnetenhaus mit dem Thema. Der CDU-Bildungspolitiker Sascha Steuer kritisierte eine fehlende Evaluierung des „eEducation Masterplans“. Hadija Haruna / Werner van Bebber

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