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Streckensperrung : Bahn spart sich die Informationen

Seit Sonntag verkehren keine Regionalzüge mehr zwischen Charlottenburg und Wannsee, auf anderen Strecken kommt es zu Verzögerungen. Informationen suchen die Fahrgäste mal wieder vergeblich. Welche Erfahrungen machen Sie, liebe Leser?

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Im Stich gelassen: Bahnreisende sollten sich am besten vor der Abfahrt über etwaige Fahrplanänderungen informieren. Am Bahnsteig sind Informationen schwer zu bekommen.
Im Stich gelassen: Bahnreisende sollten sich am besten vor der Abfahrt über etwaige Fahrplanänderungen informieren. Am Bahnsteig...Foto: dapd

Alles ist wie fast immer. „Zug fällt aus“ steht am Sonntagmittag auf der Anzeigetafel im Bahnhof Zoo. Gleich zwei Mal. Und für die Fahrt nach Cottbus, die seit dem gestrigen Fahrplanwechsel 21 Minuten kürzer sein soll, ist eine Verspätung von 40 Minuten angekündigt. Und doch ist etwas anders. Seit Sonntag gibt es auch erhebliche Einschränkungen im Betrieb. Ein Jahr lang ist nun der Abschnitt Charlottenburg – Wannsee für den Regionalverkehr gesperrt. Fahrgäste müssen auf die S-Bahn ausweichen oder für Fahrten in umgeleiteten Zügen mehr Zeit aufwenden. Auch am Ostkreuz kommt es wegen der Bauarbeiten zu Einschränkungen. Mit Informationen dazu hält sich die Bahn auf den Bahnhöfen und in den Zügen aber zurück.

„Bitte informieren Sie sich“, steht auf den Plakaten, die pauschal Einschränkungen auf den Linien RE 1 (Magdeburg–Eisenhüttenstadt) und RE 7 (Dessau–Wünsdorf-Waldstadt) ankündigen. Mehr nicht. Wer sich nicht zuvor informiert hat, muss nun einen der Service-Mitarbeiter suchen, die auf den Bahnsteigen unterwegs sind oder zum Auskunftsschalter. Dort war am Sonntag noch wenig los.

Dass der Zug aus Wünsdorf-Waldstadt nun bereits im Bahnhof Zoo endet, stand im Bahnhof Alexanderplatz zwar auf der Abfahrtstafel, in der mehr als zehnminütigen Wartezeit auf den Mittagszug gab es aber keinen einzigen Zusatzhinweis mit Tipps zur Weiterfahrt. Und auch im Zug beschränkte sich die Durchsage auf den Hinweis, dass der Zug am Bahnhof Zoo seine Fahrt beendet. „Bitte Alle aussteigen und auf Wiedersehen.“ Auch am Bahnsteig gab es keine weiteren Informationen – nicht per Lautsprecher und auch nicht von Mitarbeitern. Es waren keine zu sehen. Wer weiter Richtung Dessau wollte, musste selbst den Weg finden: mit der S-Bahn nach Wannsee und dort weiter mit der RE 7, die „nur“ zwischen Zoo und Wannsee unterbrochen ist.

In den Informationskästen auf den Bahnsteigen, in denen Fahrplanänderungen angekündigt werden, hängt ein Wust von Blättern, die auf kleine Änderungen vornehmlich in der Nacht verweisen, nichts jedoch zu den erheblichen Einschränkungen, die seit Sonntag gelten. Für die Bahn ist das logisch, denn die Umleitungen und Ausfälle sind in den neuen Fahrplan eingearbeitet und somit keine Fahrplanänderungen mehr.

Auf dem gesperrten Abschnitt waren am Sonntag bereits Bauarbeiter beschäftigt. Vielleicht ist der Spuk ja wirklich in einem Jahr vorbei.

Verspätungen zwischen Berlin und Cottbus

Probleme gibt es auch auf der Strecke zwischen Berlin und Cottbus. Die Züge auf der für Tempo 160  ausgebauten Bahnstrecke sind zu schnell und fahren seit dem Fahrplanwechsel am Sonntag erhebliche Verspätungen ein. Signale schalteten zu spät auf Grün, weshalb die Lokführer mehrfach abbremsen müssten, obwohl die Strecke frei sei, sagte ein Bahnsprecher. Durch das Bremsen und Anfahren ginge viel Zeit verloren, so dass es zu Verspätungen von mehr als zehn Minuten komme. Hier müsse jetzt nachgearbeitet werden.

Die Strecke war in den vergangenen Monaten für 140 Millionen Euro ausgebaut worden, damit die Züge mit Tempo 160 unterwegs sein können. Dafür werden auch modernste Lokomotiven eingesetzt. Die Fahrzeit zwischen dem Ostbahnhof und Cottbus sollte sich dadurch um 21 Minuten auf 69 Minuten verringern. Beim bis Sonntag gefahrenen geringeren Tempo seien die Fehler an den Signalanlagen nicht aufgefallen, sagte der Sprecher weiter.

Mit der Umsetzung des neuen Fahrplans war der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) im Großen und Ganzen zufrieden. Die Züge auf der S-Bahn-Linie S 7, die zwischen Charlottenburg und Wannsee jetzt zusätzlich die bisherigen Fahrgäste des Regionalverkehrs zwischen Berlin und Potsdam aufnehmen müssen, seien in der Regel nicht überfüllt gewesen, sagte VBB-Sprecherin Elke Krokowski. Allerdings kam es durch eine Türstörung am frühen Morgen bei einem Zug am Ostkreuz auch zu Verspätungen auf der S 7. Im Vorfeld hatte die Bahn ausführlich über die Alternativangebote informiert.

Weitere Störungen im Betrieb gab es am Montagmorgen bei der S-Bahn durch eine Weichenstörung am Grünauer Kreuz, wo es auf mehreren Linien, auch zum Flughafen Schönefeld, zu Ausfällen und Verspätungen kam. Die Weiche sei nicht witterungsbedingt ausgefallen, betonte der Sprecher. Mehr als eine Stunde musste am Morgen auch der Verkehr zwischen Lichtenrade und Mahlow unterbrochen werden. Nachdem ein Bus auf der Wolziger Zeile in Lichtenrade eine Gaslaterne gerammt hatte, was dort Gas ausgetreten.

Im Fernverkehr gibt es derzeit noch Verspätungen zwischen Berlin und Hamburg. Gegen 7.40 Uhr hatte ein ICE bei Bad Wilsack mehrere Rehe erfasst und war dabei so schwer beschädigt worden, dass er nicht weiterfahren konnte. Die etwa 350 Fahrgäste mussten bis 9.30 Uhr ausharren, ehe sie in einen Ersatzzug umsteigen konnten. Der Schadzug ist nach Angaben des Sprechers immer noch nicht abgeschleppt.

Welche Erfahrungen machen Sie, liebe Leser? Wie haben Sie es am Montagmorgen durch den Berufsverkehr geschafft? Nutzen Sie die Kommentarfunktion unter diesem Artikel und berichten Sie uns von Ihren Erfahrungen.

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