Berlin : Streicheleien vom Boxtrainer

Profi-Trainer Werner Papke soll Schüler sexuell missbraucht haben. Der 17-jährige Marc S. erinnert sich an ungewollte Berührungen

Tanja Buntrock

Als Marc S., 17 Jahre, die Anschuldigungen gegen seinen ehemaligen Boxtrainer Werner Papke, 68, in der Zeitung gelesen hat, wurde ihm einiges klar. Die Vorwürfe: Papke soll seine Schützlinge sexuell missbraucht haben. Ehemalige Boxschüler hatten vergangene Woche Strafanzeige bei der Polizei gestellt. Das Landeskriminalamt ermittelt. Und fast täglich wenden sich weitere Ex-Boxschüler von Papke an das LKA 4134, das für Sexualdelikte zuständig ist.

Auch Marc S. hat unangenehme Erfahrungen mit dem Profitrainer gemacht. „Ich glaube den Jungen auf jeden Fall. Schließlich hat er es bei mir auch versucht“, sagt Marc.

Zurzeit laufen die polizeilichen Ermittlungen gegen Werner Papke. „Wir müssen aber zunächst alle Aussagen der Betroffenen genau prüfen“, sagt der Leiter des Bereichs Sexualdelikte, Oliver Knecht. „Schließlich sind die Betroffenen zuerst an die Presse herangetreten, bevor sie zur Polizei kamen. Die Anhörungen brauchen Zeit.“ Da keine Flucht- oder Verdunkelungsgefahr bestünde, sei der Boxtrainer weiter auf freiem Fuß. Papke selbst war gestern nicht zu erreichen.

Marc S. war damals 13, als er mit einem Kumpel Papkes „Profi-Box-Gym“ in der Moabiter Beusselstraße entdeckte. „Ich wohne in der Nähe. Wir sind neugierig geworden, als wir das Trainingsstudio gesehen haben.“ Papke habe Marc sofort mit offenen Armen empfangen. Fortan kam Marc fast jeden Tag zum Training. Bezahlen musste er nicht. „Ich besorge dir Sponsoren“, habe Papke gesagt.

Überhaupt habe er, wie auch anderen Jungen, die „heile Welt und eine große Boxkarriere“ versprochen. Marcs Mutter erinnert sich: „Mama, du brauchst bald nicht mehr zu arbeiten. Ich werde Millionär, Papke macht etwas aus mir“, habe ihr Sohn geschwärmt.

Doch dann sei der Trainer immer näher an Marc herangerückt – im wahrsten Sinne des Wortes. „Ich war bei ihm zu Hause, in seiner Einzimmerwohnung in Wedding. Das war normal, viele von uns waren bei ihm privat zu Besuch“, schildert Marc. „Papke fing dann aber an, mich zu streicheln. Erst am Oberkörper, am Bauch, dann wanderte seine Hand auch weiter hinunter.“ Marc habe das als unangenehm empfunden. Dennoch traute er sich nicht, den Mann von sich zu stoßen. „Er war schließlich ein bekannter Profitrainer. Ich dachte, er kümmert sich eben sehr um seine Schützlinge. Ich habe versucht, ihn durch Fragen abzulenken und ihn somit von den Streicheleien abzubringen“, sagt Marc.

„Er hat es nie geschafft, mich wirklich sexuell zu missbrauchen“, stellt der Junge klar. „Aber ich habe mir monatelang immer wieder Gedanken gemacht über seine Berührungen und ob das normal ist.“

Als Marc S. älter wurde, habe Papke das Interesse verloren. „Er hat nicht mehr so sehr darauf geachtet, wie viel ich trainiere, mich auch nicht mehr privat eingeladen. Er hatte dann wieder andere, jüngere Schützlinge um sich.“

Vor einem halben Jahr hörte Marc von sich aus mit dem Boxen auf. „Papke wollte, dass ich die Schule abbreche für die Box-Karriere“, sagt der Zehntklässler, der auf jeden Fall Abitur machen will.

Marcs Mutter sagt, dass sich ihre Gedanken ständig darum drehten, ob und was genau passiert ist, wenn die beiden allein waren. „Ich frage mich, ob es richtig war, Marc mit den anderen Freunden bei Papke übernachten zu lassen.“ Aber sie habe sich nichts dabei gedacht, schließlich wollten alle gemeinsam bis spät abends Box-Videos anschauen. „Hätte ich ihn dann nachts wieder nach Hause schicken sollen? Als einzigen?“

0 Kommentare

Neuester Kommentar