• Streik an Berliner Universitätsklinik: Erste Charité-Pfleger haben die Arbeit niedergelegt
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Streik an Berliner Universitätsklinik : Erste Charité-Pfleger haben die Arbeit niedergelegt

400 Beschäftigte der Charité sind bereits in unbefristeten Streik getreten - insgesamt 800 der 3000 Charité-Betten werden deshalb leer bleiben. Zuvor hatte der Charité-Vorstand versucht, den Streik zu verhindern.

von und Juliane Fiegler
Am bekannten Bettenturm der Charité in Mitte wird gebaut: Das Wahrzeichen der Klinik soll 2016 modernisiert neu eröffnet werden. Foto: Mike Wolff
Der bekannte Bettenturm der Charité in Mitte.Foto: Mike Wolff

Der Streik an der Charité hat begonnen. Auf den drei Campussen der Universitätsklinik haben am Montag die ersten Schwestern und Pfleger die Arbeit niedergelegt: 400 Beschäftigte der Charité streiken nun schon. Schätzungen zufolge sind 800 der 3000 Charité-Betten geschlossen worden - das bedeutet, sie werden nicht mehr mit Patienten belegt. Der Charité-Vorstand um Karl Max Einhäupl warnte vor Engpässen.

"Ein deutliches Signal"

Die Charité-Rettungsstellen bleiben zwar in Betrieb, verschiebbare OPs aber wurden schon vergangene Woche abgesagt. Pro Streiktag dürften mindestens 200 Behandlungen ausfallen. Der Vorstand wird sich später zu den Zahlen äußern. "Das ist ein deutliches Signal an den Vorstand", sagte Verdi-Verhandler Kalle Kunkel. Die Gewerkschaft hatte den Streik organisiert, der auch vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe unterstützt wird. "Und der Streik wird nur durch ein gutes Angebot der Arbeitgeber beendet", sagt Kunkel. "Nicht durch juristische Tricks." Damit spielt Kunkel auf den Versuch des Charité-Vorstandes an, den Streik verbieten zu lassen. Das Arbeitsgericht Berlin erlaubte den Ausstand am Freitag ohne Einschränkungen, das danach vom Vorstand angerufene Landesarbeitsgericht entscheidet in den nächsten Tagen.

Notfall-OPs auch während des Streiks

Die Charité teilte mit, dass die Versorgung von lebensbedrohlich erkrankten Patienten auch während des Streiks auf jeden Fall gewährleistet sei - Notfalloperationen würden durchgeführt. Die Berliner Feuerwehr, bei der alle 112-Anrufe landen, hat daher bislang keine Anweisung bekommen, Rettungswagen nicht mehr zu den Charité-Krankenhäuser zu schicken. Das wäre auch "nicht vertretbar", sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Die Rettungsfahrzeuge wären sonst wegen der weiteren Wege unnötig lange unterwegs und stünden dann einem nächsten Patienten nicht schnell genug zur Verfügung. 

Vivantes stellt maximale Kapazitäten zur Verfügung

Aus der Verwaltung von Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) hieß es, die anderen Berliner Krankenhäuser stellten sich auf mehr Patienten ein. Die Rettungsstellen der Vivantes Kliniken etwa stellen während des Charité-Streiks ihre maximalen Kapazitäten zur Verfügung - man rechne hier aber lediglich mit etwas mehr Zulauf als normalerweise, nicht mit einem wirklich großen Ansturm. Besondere Maßnahmen wie etwa Urlaubssperren sind aktuell aber noch nicht geplant.

"Wir müssen erstmal abwarten, wie lange der Streik an der Charité dauern wird", erklärte eine Vivantes-Pressesprecherin. Und obwohl die Intensivmedizin der Vivantes Kliniken auch schon ohne Charité-Streik oft zu über 90 Prozent ausgelastet sei, könnten Notfallpatienten, lebensgefährlich verletzte Unfallpatienten beispielsweise, in jedem Fall behandelt werden.


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