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Streik an der Charité : Pflegekräfte haben die Arbeit niedergelegt

Seit 6 Uhr streiken Schwestern, Pfleger und medizinisch-technisches Personal von Europas größtem Universitätsklinikum. Die Patienten müssen sich auf erhebliche Einschränkungen einstellen.

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Hunderte nichtärztliche Beschäftigte der Berliner Charité sind am Montag in einen unbefristeten Streik getreten. Nach den gescheiterten Tarifverhandlungen wollen sie den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen. Betroffen sind alle drei Standorte in Mitte, Wedding und Steglitz betroffen. Die Streikbeteiligung sei sehr gut, sagte ein Sprecher.

Schon kurz vor dem Pflegestreik an Europas größtem Universitätsklinikum Charité waren am Montag nach Tagesspiegel-Informationen hunderte der insgesamt 3200 Krankenbetten nicht mehr belegt. OP-Termine für die kommende Woche sind in Absprache mit Patienten verschoben worden, die Klinik bereitet sich auf einen längeren Ausstand vor. Die Gewerkschaft Verdi hatte ihre Mitglieder unter den Klinikbeschäftigten ab 6 Uhr zu einem unbefristeten Streik aufgerufen. Viele geplante Operationen seien abgesagt worden, sagte die Verhandlungsführerin der Gewerkschaft ver.di, Bettina Weitermann.
Lediglich lebensnotwendige Behandlungen würden vorgenommen.

Sollten, wie beim Warnstreik kürzlich, mehr als 1500 Schwestern, Pfleger und Reinigungskräfte die Arbeit niederlegen, könnten insgesamt hunderte Behandlungen ausfallen. Die Charité hat Rettungsdienste gebeten, Patienten an andere Krankenhäuser zu bringen. Für Akutfälle, die nur in einem der Charité-Standorte in Mitte, Wedding oder Steglitz behandelt werden können, ist mit Verdi eine Notdienstvereinbarung unterzeichnet worden.

Etwa 13 000 Berliner arbeiten in der landeseigenen Charité, jährlich werden dort rund 130 000 Patienten stationär versorgt, dazu eine halbe Million Menschen ambulant. Ab Montag soll auch bei der Krankenhaustochter „Charité Facility Management“ (CFM) gestreikt werden. Die 2500 Mitarbeiter der CFM erledigen etwa Transporte und den Wachschutz für die Großklinik. Die Beschäftigten dort werden eigenen Angaben zufolge schlechter bezahlt als im Stammhaus. Einige erhalten demnach gerade 5,50 Euro brutto pro Stunde. Verdi fordert einen Tarif auf Charité-Niveau. Derzeit bekommt dort eine Krankenschwester nach zehn Dienstjahren im Schichtbetrieb im Schnitt knapp 2500 Euro brutto im Monat. Die Streikenden fordern für jeden Beschäftigten 300 Euro mehr pro Monat, was dem bundesweit üblichen Tarif entspräche.

Die Klinik ist seit Jahren verschuldet. Während Charité-Chef Karl Max Einhäupl für 2010 mit minus 17,8 Millionen Euro ein besseres Jahresergebnis als erwartet vorlegte, verlangt der Senat für 2011 eine schwarze Null. Für die Forderung der Pflegekräfte hatte Einhäupl kürzlich Verständnis signalisiert, allerdings auf die vorgegebene Sparlinie verwiesen. „Wir befinden uns im Schraubstock zwischen dem Anliegen der Mitarbeiter und den Vorgaben der Politik“, sagte Ulrich Frei, ärztlicher Direktor des Hauses. Da der Senat eine defizitfreie Bilanz verlangt, hat er die Kooperation mit den landeseigenen Vivantes-Häusern vorantreiben lassen. Vivantes geht es finanziell besser, auch weil sich der größte kommunale Klinikkonzern Deutschlands auf Patientenbehandlung konzentrieren kann, während die Charité auch eine Forschungsstätte ist.

Charité-Patienten-Hotline: 450 550 500

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