• Streik bei Deutscher Post in Berlin: Rund eine Million Briefe und Pakete nicht zugestellt

Streik bei Deutscher Post in Berlin : Rund eine Million Briefe und Pakete nicht zugestellt

Der Streikaufruf bei der Post ist laut Verdi am Sonnabend "nahezu vollständig befolgt" worden. Die Gewerkschaft beklagt die Auslagerung der Paketzustellung in Tochterfirmen. Auch die Kunden leiden unter den neuen Strukturen.

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Rund eine Million Briefe und Pakete sind nach Verdi-Angaben wegen des Post-Streiks am Sonnabend in Berlin nicht zugestellt worden.
Rund eine Million Briefe und Pakete sind nach Verdi-Angaben wegen des Post-Streiks am Sonnabend in Berlin nicht zugestellt worden.Foto: dpa

Hunderttausende von Berlinern, die am langen Wochenende zu Hause geblieben sind, warteten am Sonnabend vergeblich auf Post. Rund eine Million Sendungen wurden nach Angaben der Gewerkschaft Verdi nicht zugestellt. Sie hatte die rund tausend Beschäftigten der Brief- und Paketzustellung im gesamten Stadtgebiet zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen. „Der Streikaufruf wurde nahezu vollständig befolgt, sagte Benita Unger, Verdi-Fachbereichsleiterin Postdienste. Es wird wohl mehrere Tage dauern, bis der Postberg abgetragen sein wird.

Verdi fordert für die bundesweit rund 140.000 Tarifkräfte des Unternehmens eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit von 38,5 auf 36 Stunden bei vollem Lohnausgleich. So soll nach Angaben von Verdi der einseitig durch die Post entzogene Schutz vor einer Auslagerung in Tochterfirmen für die Beschäftigten kompensiert werden.

Die Post hat mit dem Aufbau eines zweiten bundesweiten Netzes für die Paketzustellung begonnen und dafür bundesweit 49 Regionalgesellschaften DHL Delivery GmbH gegründet. In Berlin und Brandenburg gibt es drei Regionalgesellschaften, bei denen nach Verdi-Angaben überwiegend ehemals befristet beschäftigte Paketzusteller der Deutschen Post AG zu schlechteren Entlohnungsbedingungen eingestellt wurden.

Überlastung: Selbstabholung ohne Zustellungsversuch

Und nach Tagesspiegel-Informationen sollen sie mehr Sendungen zustellen als vorher ihre beim Mutterkonzern beschäftigten Kollegen; rund 200 statt durchschnittlich etwa 150. Da dies kaum zu schaffen ist, erhalten viele Kunden die Aufforderung, ihre Sendung in einer Filiale oder Agentur der Post abzuholen – ohne dass vorher versucht worden war, die Sendung auszuliefern.

In den Filialen bilden sich derzeit jedenfalls besonders lange Schlagen von Kunden mit einer solchen Benachrichtigungskarte. Doch auch das Abholen in einer Filiale ist nicht immer einfach. Sie gehören der Postbank. Und auch deren Mitarbeiter haben in den vergangenen Tagen mehrfach gestreikt; die Filialen blieben dann geschlossen.

Die Verhandlungen von Verdi mit der Post werden am 8./9. Mai fortgesetzt. Bereits in den vergangenen Wochen hatte es mehrfach Warnstreiks vor allem in den Paketzentren in Börnicke bei Nauen und in Rüdersdorf gegeben. Zum Teil mussten Kunden, wie berichtet, fast zwei Wochen  auf ihr Paket warten.

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