Streik im öffentlichen Dienst : Kampf um Wartenummern

Immer mehr Bürger sind genervt vom Streik in Bürgerämtern und Zulassungsstellen. Die Stimmung ist zunehmend gereizt. Die Beschäftigten, die noch arbeiten, werden beschimpft und beleidigt.

Florian Ernst,Sigrid Kneist
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Ärger im Amt. Der Streik findet wenig Verständnis.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Die Eingangshalle des Bürgeramts in Neukölln ist am Dienstag um Viertel vor elf brechend voll. „Keine Chance, hier durchzukommen“, sagt Daniela Rohde, eine Mitarbeiterin des Amtes, die als Beamtin auch in Streikzeiten zur Arbeit kommt. Sie geht zum Hintereingang. Kurze Zeit später öffnen Mitarbeiter vorne die Türen und verteilen Nummern an die Wartenden. Ein Mann stürmt aufgebracht an den Schalter. „Was soll die ganze Scheiße hier? Wann ist der Streik endlich rum?“ Er wurde von einem Amt in Rudow nach Neukölln geschickt. In vielen Bezirken sind bis auf die Rathäuser alle Bürgerämter geschlossen. Am zweiten flächendeckenden Streiktag haben sich nach Angaben von Verdi, GdP und GEW rund 9000 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes beteiligt.

Wer zu spät kommt, hat Pech

Daniela Rohde sagt, es sei kein gutes Gefühl, dieser Tage ins Amt zu kommen. „Es sind immer schon Massen von Leuten da, und man weiß, man kann nicht alles abarbeiten.“ Jeder, der eine Nummer erhalte, komme aber auch dran. Die Ausgabe dauert nur eine halbe Stunde. Wer später kommt, hat Pech. Zur Zeit arbeiten im  Bürgeramt im Rathaus Neukölln gerade mal sieben Mitarbeiter, die meisten sind Beamte.

Sie wurden aus allen fünf Neuköllner Standorten zusammengezogen. 22 Kollegen haben die Arbeit ausgesetzt. „Es ist für die Bürger eine Zumutung, aber für uns auch“, sagt Rohde. „Wir werden verbal angegangen.“ Das gehe von Beschimpfungen, „dass wir unfähig sind“, bis zu direkten, persönlichen Beleidigungen. Auch um die Nummern werde sich manchmal regelrecht geprügelt, sagt eine andere Mitarbeiterin. Damit die Lage nicht eskaliere, sei immer ein Sicherheitsmann da.
 
Auch in der Kfz-Zulassungsstelle Friedrichshain/Kreuzberg ist die Stimmung zunehmend gereizt. Nummern werden dort nur bis Viertel vor Zehn verteilt. Neben wartenden Privatleuten äußern Vermittler ihren Unmut, die für Autohändler und Privatpersonen die Zulassung erledigen. „Wenn ich den ganzen Tag hier warte, verdiene ich kein Geld“, sagt einer. Er wird sich darauf einstellen müssen, dass es weiter geht; bei den Kfz-Stellen ist der Arbeitskampf unbefristet. Und Innensenator Ehrhart Körting (SPD), der sich vor seinem Amtssitz in der Klosterstraße den Streikenden stellte, hat deutlich gesagt, dass der Senat zurzeit gar keine Veranlassung für Verhandlungen sieht.

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